Nun ruhen alle Wälder.
1647O Welt, ich muß dich laßen.
Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, es schläft die ganze Welt: Ihr aber, meine Sinnen, auf, auf! ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt
Wo bist du, Sonne, blieben? die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind: Fahr hin, ein’ andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint.
Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal: So, so werd ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammerthal.
Der Leib, der eilt zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit: Die zieh ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit.
Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sei: Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei.
Nun geht, ihr matten Glieder, geht, geht und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt: Es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd.
Mein’ Augen stehn verdroßen, im Hui sind sie geschloßen, wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel!
Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein.
Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben kein Unfall noch Gefahr! Gott laß euch ruhig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Helden Schaar!
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Interpretation
Das Gedicht "Nun ruhen alle Wälder" von Paul Gerhardt ist ein Abendlied, das die Ruhe der Natur mit der geistlichen Erhebung des Gläubigen kontrastiert. Der Sprecher fordert seine Sinne auf, wach zu bleiben und sich auf das zu konzentrieren, was dem Schöpfer gefällt, während die Welt zur Ruhe kommt. Die Nacht wird als Metapher für die Dunkelheit und den Abschied von der irdischen Welt verwendet, während die innere Sonne, Jesus, im Herzen des Gläubigen leuchtet. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf die Auferstehung und die ewige Herrlichkeit, die der Gläubige in Christus erwarten kann. Der zweite Teil des Gedichts beschäftigt sich mit der Vorbereitung auf den Tod und die Auferstehung. Der Sprecher vergleicht den Leib, der zur Ruhe geht, mit dem Ablegen der Kleidung und Schuhe, die das Bild der Sterblichkeit sind. Christus wird dem Gläubigen den Rock der Ehre und Herrlichkeit anlegen, der ihn von der Sünde und dem Elend dieser Erde befreit. Die Augen, die sich schließen, werden von Gott bewahrt und beschützt, wie ein Küchlein unter den Flügeln seiner Mutter. Der Sprecher bittet Jesus, seine Freude und sein Retter, darum, seine Flügel auszubreiten und sein Küchlein vor dem Satan zu beschützen, der es verschlingen will. Das Gedicht schließt mit einem Segen für die Lieben des Sprechers, die er nicht betrüben will. Er wünscht ihnen einen ruhigen Schlaf und stellt sich vor, wie Gott sie mit goldenen Waffen um ihr Bett und seine Helden scharen beschützt. Das Gedicht vermittelt eine tiefe spirituelle Botschaft über die Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit und die Gewissheit des Glaubens an Jesus Christus.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, es schläft die ganze Welt: Ihr aber, meine Sinnen, auf, auf! ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt
- Apostrophe
- Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel
- Bildsprache
- Nun geht, ihr matten Glieder, geht, geht und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt
- Metapher
- Gott laß euch ruhig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Helden Schaar
- Personifikation
- Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sei