Nun laßt uns gehn und treten

Paul Gerhardt

1653

Nun laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben.

Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen.

Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden.

Also auch und nicht minder läßt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen.

Ach, Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen.

Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden.

Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden.

Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehenen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde.

Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe.

Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.

Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.

Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschare zum selgen neuen Jahre.

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Illustration zu Nun laßt uns gehn und treten

Interpretation

Das Gedicht "Nun laßt uns gehn und treten" von Paul Gerhardt ist ein geistliches Lied, das den Glauben an Gott und die Hoffnung auf seine Führung und Unterstützung im neuen Jahr zum Ausdruck bringt. Es beginnt mit einem Aufruf, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um Gott zu loben und zu preisen. Der Dichter betont die Rolle Gottes als Beschützer und Hüter des Lebens, der die Menschen durch die Jahre begleitet und in schwierigen Zeiten Trost spendet. Die Bilder von treuen Müttern, die ihre Kinder in stürmischen Zeiten beschützen, werden verwendet, um die Fürsorge Gottes zu verdeutlichen. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Dichter direkt an Gott und bittet ihn, weiterhin bei den Menschen zu sein, besonders in Zeiten des Leidens. Er lobt Gottes Treue und Stärke, die jeden Morgen neu ist und alle Herzen erfreut. Der Dichter bittet um Gottes Segen für alle Wege, für die Großen und Kleinen, und um seine Fürsorge für die Verlassenen, Irrenden, Kranken und Armen. Er bittet auch um fröhliche Gedanken für diejenigen, die von Schwermut geplagt sind. Im letzten Teil des Gedichts bittet der Dichter Gott, die Menschen mit seinem Geist zu erfüllen, der sie hier auf Erden schmückt und sie zum Himmel führt. Er bittet um alles, was für ein seliges neues Jahr notwendig ist, für sich selbst und die gesamte christliche Gemeinschaft. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Hoffnung und des Vertrauens auf Gottes Güte und Barmherzigkeit im kommenden Jahr.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
[Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehenen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen]
Apostrophe
[Ach, Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehenen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschare zum selgen neuen Jahre]
Hyperbel
[Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden]
Metapher
[Nun laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden Also auch und nicht minder läßt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen Ach, Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehenen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschare zum selgen neuen Jahre]
Parallelismus
[Nun laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden Also auch und nicht minder läßt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe]
Personifikation
[Ach, Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe]