Nun ist es Zeit
unknownNun ist es Zeit, daß ich mit Verstand Mich aller Torheit entledge; Ich hab so lang als ein Komödiant Mit dir gespielt die Komödie.
Die prächtgen Kulissen, sie waren bemalt Im hochromantischen Stile, Mein Rittermantel hat goldig gestrahlt, Ich fühlte die feinsten Gefühle.
Und nun ich mich gar säuberlich Des tollen Tands entledge, Noch immer elend fühl ich mich, Als spielt ich noch immer Komödie.
Ach Gott! im Schmerz und unbewußt Sprach ich was ich gefühlet; Ich hab mit dem Tod in der eignen Brust Den sterbenden Fechter gespielet.
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Interpretation
Das Gedicht "Nun ist es Zeit" von Heinrich Heine beschreibt den Übergang von einer Zeit des Scheins und der Täuschung zu einer Phase der ernüchternden Realität. Der Sprecher reflektiert über eine vergangene Epoche, in der er wie ein Komödiant agierte und eine Rolle spielte, die von romantischen Idealen und prächtigen Kulissen geprägt war. Diese Zeit war geprägt von äußerem Glanz und inneren Gefühlen, die jedoch letztlich nur Teil einer Inszenierung waren. Die zweite Strophe verdeutlicht den Prozess der Abkehr von dieser Illusion. Der Sprecher bemüht sich, sich von der "tollen Tand" zu befreien, also von den oberflächlichen und trügerischen Elementen seines früheren Lebens. Doch trotz dieser bewussten Entscheidung, die Maske fallen zu lassen, fühlt er sich weiterhin elend und gefangen in der Rolle, die er einst gespielt hat. Dies deutet darauf hin, dass die Trennung von der Illusion nicht so einfach ist, wie es zunächst scheint. Im letzten Teil des Gedichts kommt die tiefe Verzweiflung und das Gefühl der Verlorenheit zum Ausdruck. Der Sprecher erkennt, dass er in seinem Schmerz und seiner Unwissenheit Worte gesprochen hat, die er gefühlt hat, aber die nun leer und bedeutungslos erscheinen. Die Metapher des "sterbenden Fechters" im eigenen Herzen symbolisiert den inneren Kampf und den Verlust der Identität. Das Gedicht endet mit einer tragischen Einsicht: Der Sprecher hat mit dem Tod in seiner eigenen Brust gespielt, was auf einen tiefen inneren Konflikt und die Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit und der Vergänglichkeit aller Illusionen hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Tand entledge
- Bildsprache
- Mein Rittermantel hat goldig gestrahlt
- Gleichnis
- Ich hab mit dem Tod in der eignen Brust / Den sterbenden Fechter gespielet
- Hyperbel
- Ich fühlte die feinsten Gefühle
- Kontrast
- Nun ist es Zeit, daß ich mit Verstand / Mich aller Torheit entledge
- Metapher
- Ich hab so lang als ein Komödiant / Mit dir gespielt die Komödie.
- Personifikation
- Die prächtgen Kulissen, sie waren bemalt
- Wiederholung
- Noch immer elend fühl ich mich, / Als spielt ich noch immer Komödie.