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Nun erst

Von

Hab Dank! wir waren Mann und Weib,
es ist geschehn;
nun laß uns wieder aufrecht gehn,
allein und klar.
Wir wollen uns nicht trüb gebärden;
wir können nun erst Freunde werden,
ganz und wahr.

Du weißt ja gut, wie′s enden kann;
am Weg ins Tal,
du sahst, da lag es, einsam, kahl,
das alte Liebesgrab im Wald.
Es war nicht Zufall, was dich führte:
ich wollte prüfen, wie′s dich rührte:
du lachtest kalt.

Das tat mir wohl, das klang so frei
aus dir heraus in mich herein.
Doch unten lag im Abendschein
der dunkle See.
Im Wasser spielten lange Streifen;
die schienen glühend sich zu greifen,
der Nix die Fee.

Die Sonne sank; die Wasserglut
ist nun zur Ruh.
Das war nicht Ich, das warst nicht Du,
was uns bezwang.
Denn ob wir unser mächtig waren,
das soll sich nun erst offenbaren.
Hab Dank!

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Gedicht: Nun erst von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Nun erst“ von Richard Dehmel handelt von der Auflösung einer Liebesbeziehung und dem Beginn einer neuen, auf Freundschaft basierenden Phase. Die ersten Verse drücken Dankbarkeit für das Erlebte aus und fordern einen Neubeginn, in dem die Protagonisten „aufrecht“ und „allein“ durch das Leben gehen können. Der Wunsch nach „ganz und wahr“ Freundschaft deutet auf eine tiefe Sehnsucht nach einer Beziehung, die frei von den Zwängen und dem Schmerz der vergangenen Liebe ist.

Die zweite Strophe thematisiert die Erkenntnis der Protagonisten über das Ende ihrer Liebe. Die Metapher des „alten Liebesgrab im Wald“ symbolisiert das Ende der Beziehung, die Überwindung des früheren Liebesleids. Der Erzähler testet die Reaktion des anderen, um zu sehen, wie stark die Vergangenheit sie noch beeinflusst, und freut sich, als die andere Person „kalt“ lacht. Diese Reaktion wird als befreiend empfunden, da sie die Distanz zur alten Liebe und den Wunsch nach einem Neuanfang bestätigt.

Die dritte Strophe führt eine neue Bildsprache ein, die Natur und Sehnsucht miteinander verwebt. Der „dunkle See“ und die „glühenden“ Lichtstreifen stehen für eine tiefere, unkontrollierbare Kraft. Der Hinweis auf „der Nix die Fee“ deutet auf mythische Figuren hin, die die Protagonisten anziehen oder bezaubern können. Die Sonne, die sinkt, und das Ende der Wasserglut symbolisieren das Ende der alten Gefühle.

Die letzte Strophe fasst die Botschaft des Gedichts zusammen. Die Protagonisten erkennen, dass ihre Verbindung von äußeren Kräften oder Umständen beeinflusst wurde, nicht nur von ihren eigenen Entscheidungen. Erst jetzt, nach dem Ende der Beziehung, wird sich zeigen, ob sie ihre eigenen Gefühle meistern und wahre Freundschaft entwickeln können. Der finale Dank unterstreicht die Akzeptanz des Endes und den hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.