Novemberfahrt

Richard Dehmel

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Ja, lacht nur, lacht! am Wege da ihr pelzvermummten Gaffer! Uns gab ein heißres Blut, hahah, der Wein- und Weiberschaffer! |Und wenn wir etwas zittrig sind und etwas rot die Nase, so meint nur nicht, das sei vom Wind: das Wetter liegt im Glase!

Wir fahren in die Welt hinein, wenn Uns es will behagen; wir fahren in dem Sonnenschein, den wir im Herzen tragen! Und wenn die olle Sonne sieht so junge Dreistewichte, dann wird sie gleich vor Angst verliebt und macht ihr schönst Gesichte.

Hurrah, Novembersonnentag, du Wunderwanderwetter: derweil am Herd das Zimperpack sich wärmt den Katterletter1! Hurrah, so stark dein herber Duft, so würzig seine Schwere!

Hurrrah – ich schlürfe deine Luft, als ob es Rheinwein wäre!

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Illustration zu Novemberfahrt

Interpretation

Das Gedicht "Novemberfahrt" von Richard Dehmel ist eine begeisterte Hymne auf die Lebensfreude und den unbeugsamen Geist der Jugend. Der Sprecher und seine Begleiter trotzen den Novemberkälte und dem Spott der Passanten, die sie als "pelzvermummte Gaffer" verspotten. Sie feiern ihre Leidenschaft für Wein und Frauen, die ihnen ein "heißres Blut" gegeben hat, und lassen sich von äußeren Umständen nicht beirren. Die Rötung ihrer Nasen wird nicht dem Wind zugeschrieben, sondern dem "Wetter im Glase", also dem Alkohol, den sie genießen. Die zweite Strophe betont die Freiheit und Unabhängigkeit der Reisenden. Sie fahren "in die Welt hinein", wann es ihnen beliebt, getragen von der inneren Sonne, die sie in ihren Herzen tragen. Selbst die alte Sonne am Himmel wird von ihrer jugendlichen Dreistigkeit beeindruckt und zeigt ihnen ihr "schönst Gesicht". Diese Metapher verdeutlicht die positive Ausstrahlung und Anziehungskraft der jungen Leute, die die Welt um sich herum zu verzaubern scheinen. Die dritte Strophe kulminiert in einem jubelnden Ausruf der Freude über den "Novembersonnentag" und das "Wunderwanderwetter". Während sich andere zu Hause am Herd wärmen, ziehen die Reisenden hinaus in die Natur und genießen die herbe Würze der Luft, die sie wie edlen Rheinwein schlürfen. Das Gedicht feiert die Lebenslust, die Unabhängigkeit und die Fähigkeit, sich von äußeren Umständen nicht unterkriegen zu lassen. Es ist eine Ode an die Kraft der Jugend und die Freude am einfachen Sein inmitten der Natur.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
derweil am Herd das Zimperpack
Anapher
Ja, lacht nur, lacht! am Wege da
Metapher
die olle Sonne
Personifikation
wenn die olle Sonne sieht
Vergleich
Als ob es Rheinwein wäre