Novemberabend
1885Es weht. Das Abendgold ist eine Fahne, Die von den Winden schon erbeutet wird. Ein etwas Herbst in der Platane, Ein grelles Chrom verweht, verwird.
In Wolken gleich verkohlten Stämmen Riecht man die tote Sonne noch; Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen - Einsamkeiten kommen hoch.
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Interpretation
Das Gedicht "Novemberabend" von Paul Boldt beschreibt einen stürmischen Abend im November, der von Verfall und Vergänglichkeit geprägt ist. Die Natur wird als kahl und grau dargestellt, wobei die letzten Farbtupfer des Herbstes wie ein erbeutetes Banner vom Wind davongetragen werden. Die Platane, ein Baum, der oft in städtischen Parks zu finden ist, verliert ihre Blätter und hinterlässt nur noch ein spärliches "etwas Herbst". Die Farbe Chrom, die für ihre Härte und Kälte bekannt ist, verblasst und wird zur bloßen Substanz, die sich auflöst. In der zweiten Strophe wird die Atmosphäre noch düsterer. Die Wolken werden mit verkohlten Baumstämmen verglichen, was auf die Zerstörung und den Tod hindeutet. Der Geruch der "toten Sonne" lässt vermuten, dass selbst die Wärme und das Licht der Sonne erloschen sind. Die Wörter "Einatmen, Drängen, Dämmen" erzeugen einen rhythmischen Klang, der den einbrechenden Abend und die hereinbrechende Nacht symbolisiert. Die "Einsamkeiten" steigen auf und vermitteln ein Gefühl von Isolation und Verlassenheit. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Melancholie und des Abschieds. Die Natur wird als ein Ort des Verfalls und des Todes dargestellt, der den Übergang vom Herbst zum Winter symbolisiert. Die Einsamkeit, die am Ende des Gedichts erwähnt wird, könnte auch als Metapher für die menschliche Existenz im Angesicht der Vergänglichkeit und des Todes interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Drängen, Dämmen
- Metapher
- Ein grelles Chrom verweht, verwird
- Personifikation
- Riecht man die tote Sonne noch
- Vergleich
- In Wolken gleich verkohlten Stämmen