November
1906Solchen Monat muß man loben: Keiner kann wie dieser toben, keiner so verdrießlich sein und so ohne Sonnenschein! Keiner so in Wolken maulen, keiner so mit Sturmwind graulen! Und wie naß er alles macht! Ja, es ist ′ne wahre Pracht.
Seht das schöne Schlackerwetter! Und die armen welken Blätter, wie sie tanzen in dem Wind und so ganz verloren sind! Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt und sie durcheinander wirbelt und sie hetzt ohn′ Unterlaß: Ja, das ist Novemberspaß!
Und die Scheiben, wie sie rinnen! Und die Wolken, wie sie spinnen ihren feuchten Himmelstau ur und ewig, trüb und grau! Auf dem Dach die Regentropfen: Wie sie pochen, wie sie klopfen! Schimmernd hängt′s an jedem Zweig, einer dicken Träne gleich.
Oh, wie ist der Mann zu loben, der solch unvernüft′ges Toben schon im voraus hat bedacht und die Häuser hohl gemacht; sodaß wir im Trocknen hausen und mit stillvergnügtem Grausen und in wohlgeborgner Ruh solchem Greuel schauen zu.
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Interpretation
Das Gedicht "November" von Heinrich Seidel beschreibt den November als einen Monat, der durch seine chaotische und ungestüme Natur auffällt. Der November wird als der einzige Monat dargestellt, der toben und verdrießlich sein kann, ohne Sonnenschein und mit Wolken, die maulen. Der Sturmwind wird als etwas Grauenvolles beschrieben, das alles nass macht und eine wahre Pracht ist. Die Natur wird als schönes Schlackerwetter dargestellt, in dem die armen welken Blätter tanzen und vom Sturm gejagt werden. Der November wird als ein Monat des Spiels und der Freude beschrieben, in dem der Sturm die Blätter jagt und zwirbelt. Der November wird auch als ein Monat der Dunkelheit und des Regens dargestellt. Die Scheiben rinnen und die Wolken spinnen ihren feuchten Himmelstau. Die Regentropfen klopfen auf dem Dach und hängen an jedem Zweig wie eine dicke Träne. Der November wird als ein Monat des Grauens und der Furcht beschrieben, aber auch als ein Monat der Dankbarkeit für diejenigen, die im Voraus an die Häuser gedacht haben, die uns vor dem Ungewitter schützen. Wir können von drinnen aus mit stillvergnügtem Grausen diesem Greuel zusehen und uns in der wohlgeborgten Ruhe befinden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Und die armen welken Blätter, wie sie tanzen in dem Wind und so ganz verloren sind!
- Hyperbel
- Und wie naß er alles macht! Ja, es ist ′ne wahre Pracht.
- Ironie
- Oh, wie ist der Mann zu loben, der solch unvernüft′ges Toben schon im voraus hat bedacht und die Häuser hohl gemacht;
- Metapher
- sodaß wir im Trocknen hausen und mit stillvergnügtem Grausen und in wohlgeborgner Ruh solchem Greuel schauen zu.
- Onomatopoesie
- Auf dem Dach die Regentropfen: Wie sie pochen, wie sie klopfen!
- Personifikation
- Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt und sie durcheinander wirbelt und sie hetzt ohn′ Unterlaß:
- Vergleich
- Schimmernd hängt′s an jedem Zweig, einer dicken Träne gleich.