Niobe
1817O so lang′ eine Mutter noch heilig ist, und nur Eine Mutterbrust noch fürs Kind ihrer Umarmungen glüht; Eine Seele noch leidet, und Eine den Schmerz noch der Liebe Den unsäglichen fühlt, Eine für andre noch seufzt, Eine mit menschlicher Kraft noch gefüllt ist, Eine mit Treue, Eine das klopfende Herz liebend dem Tode noch weiht, Bleibst du das heiligste rührendste Bild; denn es schuf dich die Liebe, Sanft wie ein Muttergemüth, stark wie Olympische sind. Reiche dem Tod nur den Busen, empfange den Pfeil nur und drücke Sterbend dein furchtsames Kind schirmend und zärtlich an dich. Dein erbarmen die Götter sich schon, ja die himmlische Schönheit Zaubert ihr süßestes Licht schon auf die Stirne dir hin. Kaum noch gewahr′ ich den menschlichen Schmerz, dein erhabenes Antlitz Ist mir verklärt, und du sinkst eben dem Himmel in Arm.
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Interpretation
Das Gedicht "Niobe" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine Hommage an die mythologische Figur der Niobe, die ihre Kinder verlor und daraufhin von den Göttern in Stein verwandelt wurde. Waiblinger betont die Heiligkeit und die tiefe emotionale Kraft einer Mutter, die für ihre Kinder leidet und sich opfert. Die Mutter wird als Symbol der Liebe und Treue dargestellt, deren Herz und Seele von einer unerschütterlichen Hingabe erfüllt sind. Diese Liebe wird als sowohl sanft als auch stark beschrieben, vergleichbar mit der Macht der olympischen Götter. Die Liebe und das Leiden der Mutter werden als universelle und ewige Themen dargestellt, die über den menschlichen Schmerz hinausgehen. Waiblinger beschreibt, wie die Mutter, auch im Angesicht des Todes, ihr Kind beschützt und umarmt. Die göttliche Schönheit und das Erbarmen der Götter mildern den Schmerz, und die Stirn der Mutter wird von einem himmlischen Licht erhellt. Dies deutet darauf hin, dass die Liebe und das Opfer der Mutter eine transzendente Qualität haben, die sie mit dem Göttlichen verbindet. Im letzten Teil des Gedichts verklärt Waiblinger das Antlitz der Mutter, sodass der menschliche Schmerz kaum noch wahrnehmbar ist. Die Mutter wird als erhaben und dem Himmel zugewandt dargestellt, was ihre Transformation von einer leidenden Sterblichen zu einer fast göttlichen Figur symbolisiert. Die Göttlichkeit der Mutter wird durch ihre unerschütterliche Liebe und ihr Opfer erreicht, und sie sinkt in die Arme des Himmels, was ihre Erhebung und ihre ewige Präsenz als Symbol der mütterlichen Liebe und des Leidens unterstreicht.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Anapher
- O so lang′ eine Mutter noch heilig ist, und nur Eine Mutterbrust noch fürs Kind ihrer Umarmungen glüht; Eine Seele noch leidet, und Eine den Schmerz noch der Liebe Den unsäglichen fühlt, Eine für andre noch seufzt, Eine mit menschlicher Kraft noch gefüllt ist, Eine mit Treue, Eine das klopfende Herz liebend dem Tode noch weiht,
- Apostrophe
- Bleibst du das heiligste rührendste Bild
- Bildlichkeit
- Kaum noch gewahr′ ich den menschlichen Schmerz, dein erhabenes Antlitz Ist mir verklärt, und du sinkst eben dem Himmel in Arm
- Hyperbel
- Eine mit menschlicher Kraft noch gefüllt ist
- Metapher
- stark wie Olympische sind
- Personifikation
- Dein erbarmen die Götter sich schon, ja die himmlische Schönheit Zaubert ihr süßestes Licht schon auf die Stirne dir hin