Nieman kann mit gerten
1230Nieman kann mit gerten kindes zuht beherten: den man zêren bringen mac, dem ist ein wort als ein slac. dem ist ein wort als ein slac, den man zêren bringen mac: kindes zuht beherten nieman kann mit gerten.
Hüetet iuwer zungen: daz zimt wol den jungen. stôz den rigel vür die tür, lâ kein bœse wort dar vür. lâ kein bœse wort dar vür, stôz den rigel vür die tür: daz zimt wol den jungen. hüetet iuwer zungen.
Hüetet iuwer ougen offenbare und tougen, lât si guote site spehen und die bœsen übersehen. und die bœsen übersehen lât si guote site spehen: offenbare und tougen hüetet iuwer ougen
Hüetet iuwer ôren, oder ir sît tôren. Lât ir bœsiu wort dar in, daz gunêret iu den sin, daz gunêret iu den sin, lât ir bœsiu wort dar in. oder ir sît tôren, hüetet iuwer ôren,
Hüetet wol der drîer leider alze vrîer. zungen ougen ôren sint dicke schalchaft, zêren blint. dicke schalchaft, zêren blint zungen ougen ôren sint leider alze vrîer hüetet wol der drîer.
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Interpretation
Das Gedicht "Nieman kann mit gerten" von Walther von der Vogelweide thematisiert die Bedeutung von Erziehung und den Einfluss von Worten auf Kinder. Walther betont, dass man ein Kind nicht mit Strenge erziehen kann, sondern dass ein einziges Wort so schmerzhaft sein kann wie ein Schlag. Dies unterstreicht die Wichtigkeit eines sorgfältigen und liebevollen Umgangs mit Kindern. Im zweiten Teil des Gedichts fordert Walther zur Achtsamkeit in der Kommunikation auf. Er rät dazu, die Zunge zu hüten und keine bösen Worte vor die Tür zu lassen, da dies den jungen Menschen guttut. Dies spiegelt die Idee wider, dass positive Sprache und ein respektvoller Umgangston für die Entwicklung junger Menschen entscheidend sind. Walther erweitert seine Mahnung auf die Sinne des Menschen. Er ruft dazu auf, die Augen und Ohren zu hüten, um gute Sitten zu sehen und zu hören und böse Einflüsse zu übersehen oder zu vermeiden. Dies unterstreicht die Rolle der Umgebung und der bewussten Wahrnehmung in der Erziehung und persönlichen Entwicklung. Abschließend warnt Walther vor den drei Toren der Sinne – Zunge, Augen und Ohren – die oft zu leichtfertig gehandhabt werden. Er betont, dass diese Sinne leichtfertig und blind für die Konsequenzen ihres Handelns sein können. Dies dient als Erinnerung daran, dass man sich seiner Worte und Wahrnehmungen bewusst sein und diese mit Bedacht einsetzen sollte, um positive Einflüsse zu fördern und negative zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Zungen ougen ôren sint
- Antithese
- Hüetet iuwer zungen / daz zimt wol den jungen
- Chiasmus
- Stôz den rigel vür die tür / lâ kein bœse wort dar vür
- Hyperbel
- Lât ir bœsiu wort dar in, daz gunêret iu den sin
- Kontrast
- Offenbare und tougen
- Metapher
- Kindes zuht beherten
- Parallelismus
- Zungen ougen ôren sint / dicke schalchaft, zêren blint
- Wiederholung
- Hüetet wol der drîer / leider alze vrîer