Nie wieder...

Wilhelm Arent

1885

Die Straßen dämmern so tief verschneit, Wie ist der Sommer so weit, so weit! Jüngst träumte die Welt des Frühlings Traum: Vieltausend Knospen trug jeder Baum. Nun plötzlich all’ die Keime erstickt, Vom Frosteshauch die Blüthen geknickt! Unnennbar traurig die Seele ist, Der sonnigen Tage sie nicht vergißt. Nun findet sie nirgends der Liebe Trost, Sie ahnt: nie wieder ein West sie umkost. Nie wieder labt sie der Blumen Duft, Ihr bettet der Schnee die kühle Gruft, Sterben muß sie tief-einsamen Tod – Nie wieder grüßt sie das Morgenroth.

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Interpretation

Das Gedicht "Nie wieder..." von Wilhelm Arent beschreibt den Übergang von den warmen, lebensfrohen Jahreszeiten in den kalten, lebensfeindlichen Winter. Die Straßen sind tief verschneit, und der Sommer scheint weit entfernt. Der Frühling war erst ein Traum, in dem die Bäume voller Knospen waren, doch nun sind alle Keime erstickt und die Blüten vom Frost gebeugt. Die Seele des Sprechers ist untröstlich und traurig, da sie die sonnigen Tage nicht vergessen kann. Sie findet nirgends Trost in der Liebe und ahnt, dass sie nie wieder den Westwind umarmen wird. Der Duft der Blumen wird ihr nie wieder laben, stattdessen bettet der Schnee ihr ein kühles Grab. Die Seele muss einen einsamen Tod sterben und wird nie wieder das Morgenrot begrüßen können. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Melancholie und Verzweiflung angesichts des unausweichlichen Verfalls und der Vergänglichkeit. Die Naturmetaphern unterstreichen den Zyklus von Leben und Tod, Wachstum und Verfall. Die Seele sehnt sich nach der verlorenen Wärme und Schönheit, muss sich aber der kalten, leblosen Realität des Winters stellen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Kontrast
Wie ist der Sommer so weit, so weit! / Jüngst träumte die Welt des Frühlings Traum
Metapher
Nie wieder grüßt sie das Morgenroth
Personifikation
Vieltausend Knospen trug jeder Baum