Nicht jede Besserung ist Tugend
1715Nicht jede Besserung ist Tugend; Oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit; Und was Natur und Zeit getan, Sieht unser Stolz als Besserung an.
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Interpretation
Das Gedicht "Nicht jede Besserung ist Tugend" von Christian Fürchtegott Gellert behandelt die Unterscheidung zwischen äußerer Verhaltensänderung und wahrer Tugend. Gellert argumentiert, dass viele Veränderungen im Verhalten im Laufe der Zeit nicht unbedingt auf moralische Verbesserung zurückzuführen sind, sondern vielmehr das Ergebnis natürlicher Entwicklung und äußerer Einflüsse sein können. Der Dichter betont, dass die scheinbare "Besserung" oft nur das Produkt des Alterns und der Anpassung an gesellschaftliche Normen ist, nicht jedoch ein Ausdruck innerer moralischer Stärke. Das Gedicht kritisiert die menschliche Tendenz, äußere Verhaltensänderungen fälschlicherweise als Tugend zu interpretieren. Gellert weist darauf hin, dass die "wilden" Leidenschaften der Jugend oft mit den Jahren von selbst nachlassen, nicht jedoch aufgrund bewusster moralischer Anstrengung. Er stellt die Frage, ob eine solche "Sittsamkeit" wirklich als tugendhaft zu bewerten ist, wenn sie lediglich das Ergebnis des Älterwerdens und der Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen ist. Letztendlich fordert Gellert den Leser dazu auf, über die Natur der Tugend nachzudenken und zwischen echter moralischer Verbesserung und oberflächlichen Verhaltensänderungen zu unterscheiden. Er ermutigt zu einer tieferen Auseinandersetzung mit den eigenen Motiven und Handlungen, anstatt sich mit dem zufriedenzugeben, was auf den ersten Blick als "Besserung" erscheint. Das Gedicht dient als Mahnung, nicht den eigenen Stolz über die wahre Natur der Tugend triumphieren zu lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Antithese
- Nicht jede Besserung ist Tugend
- Ironie
- Und was Natur und Zeit getan, Sieht unser Stolz als Besserung an
- Metapher
- Die wilde Hitze roher Jugend
- Personifikation
- Natur und Zeit