Nicht Glückes bar sind deine Lenze
1851Nicht Glückes bar sind deine Lenze, Du forderst nur des Glücks zu viel; Gib deinem Wunsche Maß und Grenze, Und dir entgegen kommt das Ziel.
Wie dumpfes Unkraut laß vermodern, Was in dir noch des Glaubens ist: Du hättest doppelt einzufodern Des Lebens Glück, weil du es bist.
Das Glück, kein Reiter wird′s erjagen, Es ist nicht dort, es ist nicht hier; Lern′ überwinden, lern′ entsagen, Und ungeahnt erblüht es dir.
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Interpretation
Das Gedicht "Nicht Glückes bar sind deine Lenze" von Theodor Fontane thematisiert die Natur des Glücks und die menschliche Suche danach. Der Sprecher richtet sich direkt an eine Person, die unzufrieden ist, obwohl ihre Jahre nicht glückslos sind. Er rät ihr, ihre Ansprüche an das Glück zu mäßigen und realistische Ziele zu setzen. Das Gedicht betont, dass das Glück nicht durch übermäßige Forderungen erreicht werden kann, sondern durch ein ausgewogenes Maß an Wünschen. In der zweiten Strophe fordert der Sprecher dazu auf, den Glauben an das Glück, der wie "dumpfes Unkraut" wuchert, zu beseitigen. Dieser Glaube, dass man doppelt so viel Glück verdient, weil man selbst es ist, wird als unrealistisch und schädlich dargestellt. Der Sprecher ermutigt dazu, diese Vorstellung loszulassen und sich stattdessen auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Die letzte Strophe bringt die zentrale Botschaft des Gedichts zum Ausdruck: Das Glück ist kein Ziel, das man erreichen oder erjagen kann. Es ist weder an einem bestimmten Ort noch in einem bestimmten Moment zu finden. Stattdessen entsteht das Glück durch die Fähigkeit, zu überwinden und zu entsagen. Indem man lernt, sich von übermäßigen Wünschen und Ansprüchen zu lösen, kann man unerwartet und auf ungeahnte Weise Glück erfahren. Das Gedicht schließt mit der Hoffnung, dass durch diese Veränderung der Perspektive das Glück auf unerwartete Weise erblühen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Nicht Glückes bar sind deine Lenze, Du forderst nur des Glücks zu viel
- Imperativ
- Lern' überwinden, lern' entsagen
- Kontrast
- Es ist nicht dort, es ist nicht hier
- Metapher
- Wie dumpfes Unkraut laß vermodern
- Paradox
- Du hättest doppelt einzufodern Des Lebens Glück, weil du es bist
- Personifikation
- Das Glück, kein Reiter wird's erjagen