Nicht für Einen
1806Jung und hold und sanft und fröhlich Tanzte, spielte sie und selig Pries sich jeder, der sie sah, Jeder stand voll Liebe da. Aber keine Hoffnung scheinen Sah ich mir und irrt’ in Nacht, Immer seufzend: ist für Einen Solcher Liebesreiz gemacht?
Endlich fing ich an zu wagen Und sie hörte meine Klagen, Lächelte, ward roth und schien Gleichen Triebs für mich zu glühn. Welche Wonne! Wonne, feinen Edlen Seelen nur gedacht! - Wär’, o wäre doch für Einen Solcher Liebesreiz gemacht!
Halb genoßen, halb empfunden War auch schon mein Glück vershwunden, Und von neuer Liebe warm Sank sie bald in Theons Arm. Aber er wird morgen weinen, Dem noch heut ihr Auge lacht; Denn nun weiß ichs: nicht für Einen Ist der Liebesreiz gemacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Nicht für Einen" von Heinrich Christian Boie erzählt die Geschichte eines unglücklichen Liebhabers, der zunächst voller Hoffnungslosigkeit ist, als er die begehrte Frau sieht. Er fragt sich, ob ein solcher Liebesreiz nur für einen gemacht sein kann, da alle, die sie sehen, von Liebe erfüllt sind. Doch schließlich fasst er Mut und gesteht ihr seine Gefühle, was zu einer gegenseitigen Zuneigung führt. Die Freude darüber ist groß, da er glaubt, dass solch ein Liebesglück nur für einen bestimmt sein kann. Die zweite Strophe beschreibt den Höhepunkt des Glücks, als die Frau seine Klagen hört, lächelt, errötet und scheinbar gleiche Gefühle für ihn empfindet. Die Wonne, die er empfindet, ist nur edlen Seelen vorbehalten. Doch schon bald wird sein Glück getrübt, da die Frau sich einem anderen, Theon, zuwendet. Das Glück war nur halb genossen und halb empfunden, bevor es bereits wieder verschwunden ist. Die letzte Strophe offenbart die bittere Erkenntnis des lyrischen Ichs: Der Liebesreiz ist nicht für einen allein gemacht. Obwohl die Frau noch heute Theon mit ihrem Blick erfreut, wird er morgen weinen. Der Sprecher hat gelernt, dass die begehrte Frau ihre Zuneigung nicht exklusiv für einen einzigen Menschen reserviert, sondern dass sie vielen Männern schmeicheln kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Jung und hold und sanft und fröhlich
- Anapher
- Jeder stand voll Liebe da
- Chiasmus
- Wäre doch für Einen / Solcher Liebesreiz gemacht
- Enjambement
- Und von neuer Liebe warm / Sank sie bald in Theons Arm
- Metapher
- Irrt in Nacht
- Personifikation
- Solcher Liebesreiz gemacht
- Rhetorische Frage
- Ist für Einen / Solcher Liebesreiz gemacht?
- Triad
- Jung und hold und sanft und fröhlich