Neujahrswunsch an den Rinderhirten

Anna Louisa Karsch

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Geliebter Freund! des höchsten Güte Schenkt abermal ein neues Jahr, Drum bringt dir mein erfreut Gemüthe Die Pflicht ergebner Wünsche dar. Wenn Zeiten, Tag und Jahre schwinden, So grünet die Beständigkeit; Man wird sie stets im Flore finden, Sie ändert sich nicht mit der Zeit: Wenn sich verwechseln Jahr und Wochen, So bleibt sie doch ununterbrochen. Wo Redlichkeit und Tugend blühen, Da ist die Falschheit schon verbannt, Es heißt vergebens ihr Bemühen, Sie findet einen Gegenstand, Der ihr von lauter Treue saget Und alle Flatterei verjaget. Ich kenne schon dein reines Wesen, Du bist von zarter Kindheit an Mein tugendhafter Freund gewesen, Drum nimm die treuen Wünsche an, Die zwar aus schlechter Feder fließen Und sich in diese Zeilen schließen: Der Geber aller guten Gaben, Der Herr, von dessen Gütigkeit Wir Seel- und Leibeswohlfahrt haben, Der wolle bei erneuter Zeit Dein Haupt mit Heil und Kraft belegen, Er kröne dich mit reichen Seegen. Er wende was dich kann betrüben, Und schenke was dein Wohlseyn mehrt, Er stürze die dein Unglück lieben; Und wenn er meinen Wunsch erhört, Laß er dich bald was Schönes wählen, Und viel vergnügte Jahre zählen.

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Illustration zu Neujahrswunsch an den Rinderhirten

Interpretation

Das Gedicht "Neujahrswunsch an den Rinderhirten" von Anna Louisa Karsch ist ein freundliches und herzliches Gedicht, das einem lieben Freund zum neuen Jahr gewidmet ist. Die Autorin drückt ihre Freude über das neue Jahr aus und übermittelt dem Empfänger ihre besten Wünsche für die Zukunft. In den ersten Strophen betont Karsch die Beständigkeit der Freundschaft und Tugend, die sich nicht mit der Zeit ändert. Sie wünscht sich, dass Redlichkeit und Tugend in der Beziehung zwischen ihr und dem Empfänger weiterhin blühen mögen, während Falschheit und Flatterei keinen Platz finden. Die Autorin zeigt ihre Vertrautheit mit dem Empfänger, indem sie seine reine Wesensart und seine Tugendhaftigkeit seit seiner Kindheit kennt. Sie bittet darum, dass ihre treuen Wünsche, obwohl sie von einer "schlechten Feder" stammen, angenommen werden mögen. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich Karsch an den "Geber aller guten Gaben" und bittet ihn, den Empfänger mit Heil, Kraft und reichen Segen zu krönen. Sie wünscht sich, dass alle Sorgen und Unglücke von ihm ferngehalten werden und dass er viele glückliche Jahre genießen möge.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Schenkt abermal ein neues Jahr, Drum bringt dir mein erfreut Gemüthe Die Pflicht ergebner Wünsche dar.
Hyperbel
Drum nimm die treuen Wünsche an, Die zwar aus schlechter Feder fließen
Metapher
Wo Redlichkeit und Tugend blühen, Da ist die Falschheit schon verbannt
Parallelismus
Wenn Zeiten, Tag und Jahre schwinden, So grünet die Beständigkeit; Man wird sie stets im Flore finden, Sie ändert sich nicht mit der Zeit
Personifikation
Die Pflicht ergebner Wünsche dar.
Reimschema
AABB