Neujahrslied
1834Mit der Freude zieht der Schmerz Traulich durch die Zeiten. Schwere Stürme, milde Weste, Bange Sorgen, frohe Feste Wandeln sich zur Seiten.
Und wo eine Träne fällt, Blüht auch eine Rose. Schön gemischt, noch eh′ wir′s bitten, Ist für Thronen und für Hütten Schmerz und Lust im Lose.
War′s nicht so im alten Jahr? Wird′s im neuen enden? Sonnen wallen auf und nieder, Wolken gehn und kommen wieder, Und kein Wunsch wird′s wenden.
Gebe denn, der über uns Wägt mit rechter Wage, Jedem Sinn für seine Freuden, Jedem Mut für seine Leiden In die neuen Tage;
Jedem auf des Lebens Pfad Einen Freund zur Seite, Ein zufriedenes Gemüte, Und zu stiller Herzensgüte Hoffnung ins Geleite!
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Interpretation
Das Gedicht "Neujahrslied" von Johann Peter Hebel reflektiert über das zyklische Wesen des Lebens, in dem Freude und Leid untrennbar miteinander verbunden sind. Es beginnt mit der Vorstellung, dass diese beiden Gefühle gemeinsam durch die Zeit ziehen, begleitet von Stürmen und Festen, Sorgen und Glück. Die Zeilen betonen, dass selbst dort, wo Tränen fallen, auch Schönheit und Hoffnung, symbolisiert durch die Rose, zu finden sind. Diese Dualität ist universell und betrifft sowohl die Mächtigen als auch die Armen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Frage aufgeworfen, ob sich dieses Muster im neuen Jahr ändern wird. Die Antwort ist klar: Die natürlichen Zyklen von Sonne und Wolken werden sich nicht ändern, und somit auch nicht die Wechsel von Glück und Leid im Leben. Es gibt keine Möglichkeit, diese natürlichen Abläufe durch Wünsche oder Hoffnungen zu beeinflussen. Der letzte Teil des Gedichts wendet sich in einem Gebet an eine höhere Macht, die über allem wacht. Es wird darum gebeten, jedem Menschen die Fähigkeit zu geben, seine Freuden zu schätzen und Mut in seinen Leiden zu finden. Zudem wünscht sich der Dichter für jeden auf dem Lebensweg einen Freund, ein zufriedenes Gemüt und die Hoffnung als Begleiterin, um die neuen Tage mit Gelassenheit und Güte zu meistern.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit der Freude zieht der Schmerz
- Anapher
- Jedem Sinn für seine Freuden, Jedem Mut für seine Leiden
- Kontrast
- Mit der Freude zieht der Schmerz
- Metapher
- Und wo eine Träne fällt, Blüht auch eine Rose
- Parallelismus
- Schwere Stürme, milde Weste, Bange Sorgen, frohe Feste
- Personifikation
- Sonnen wallen auf und nieder, Wolken gehn und kommen wieder
- Rhetorische Frage
- War's nicht so im alten Jahr? Wird's im neuen enden?