Neue Weise

Hermann Rollett

1825

Es klang in deutschen Landen Ein lieblicher Gesang Von süßen Liebesbanden, Von grünem Frühlingsdrang.

Das war ein sorglos Reimen, Da kam nur “Herz” auf “Schmerz” Da ließ man sich nicht träumen Den starken Reim von “Erz”.

Das war ein Sang von “Lauben”, Von “Pracht” und “Sternennacht”, Da wollte man nicht glauben, Daß sich auch reimt “erwacht”!

Das ist nun anders worden. Es tönt ein neuer Sang — Der deutsche Sängerorden Erweckt nun lautern Klang.

Die kleine Lieb der Herzen, Die ist nun groß und stark, Das Spiel mit Frühlingsscherzen Ward Völkerfrühlingsmark.

Der Nachtigallen Klage Wird bald verstummen ganz, Daß nur die Lerche trage Ihr Lied zum Morgenglanz.

Von stiller Lauben Flüstern In süßer Sternennacht Läßt nimmer sich umdüstern Der Geist, der aufgewacht.

Und siegentflammend wettert Des Tages stralend Erz, Und Lerchenjubel schmettert — Statt Nachtigallenschmerz!

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Illustration zu Neue Weise

Interpretation

Das Gedicht "Neue Weise" von Hermann Rollett beschreibt den Übergang von einer traditionellen, romantischen Lyrik zu einer neuen, kraftvolleren Form des poetischen Ausdrucks. In den ersten Strophen wird die alte Weise charakterisiert durch sanfte Reime und Themen wie Liebe, Frühling und Natur, die eine sorglose und harmonische Atmosphäre schaffen. Der Fokus liegt auf dem Zusammenspiel von "Herz" und "Schmerz", "Lauben" und "Pracht", wobei die Reime sanft und vorhersehbar sind. Die neue Weise, die im Gedicht eingeführt wird, zeichnet sich durch einen lauteren und stärkeren Klang aus. Die Liebe wird als "groß und stark" beschrieben, und das Thema des "Völkerfrühlings" deutet auf einen breiteren, politischen oder gesellschaftlichen Kontext hin. Diese Veränderung spiegelt sich auch in der Natur wider, wo die Nachtigall, ein Symbol für sanften Gesang, von der Lerche abgelöst wird, die ihr Lied in den "Morgenglanz" trägt. Das Gedicht endet mit einem Bild von Erneuerung und Stärke. Der "stralend Erz" und der "Lerchenjubel" symbolisieren eine neue Ära des poetischen Ausdrucks, die kraftvoll und erhebend ist. Die "Neue Weise" ist somit eine Metapher für eine moderne, dynamische Lyrik, die traditionelle Formen überwindet und neue Wege beschreitet.

Schlüsselwörter

klang erz sang lauben sternennacht deutschen landen lieblicher

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Stilmittel

Alliteration
Des Tages stralend Erz
Antithese
Nachtigallenschmerz / Statt Lerchenjubel
Bildsprache
Von süßen Liebesbanden, / Von grünem Frühlingsdrang
Hyperbel
Das Spiel mit Frühlingsscherzen / Ward Völkerfrühlingsmark
Kontrast
Die kleine Lieb der Herzen, / Die ist nun groß und stark
Metapher
Der deutsche Sängerorden
Personifikation
Der deutsche Sängerorden / Erweckt nun lautern Klang
Reimschema
Herz auf Schmerz, Lauben auf Pracht, Erwacht auf Nacht
Symbolik
Die Lerche trägt ihr Lied zum Morgenglanz