Neue Waffen

Hermann Rollett

1845

Ja, es muß sich umgestalten, Und die alte Wolkennacht Muß ein blitzend Schwert zerspalten, Muß vergehn im Kampf der Macht!

Also tönt aus tausend Kehlen Wuterfüllt der freie Sang, Und die treuen Kämpfer stählen Schon das Schwert zum blutigen Gang.

Doch bevor wie siegend lenken Unser Schwert zum Todesstreich, Laßt uns Eines noch bedenken Menschlich, mild und liebereich.

Laßt uns Eines noch erwägen, Kraftbewußt und siegesstolz: Lohnts der Müh, mit scharfen Schlägen Hinzufällen morsches Holz?

Ist es wert - dahinzustrecken So ein Leben ohne Mut, Und uns kämpfend zu beflecken Mit der Welt Ministerblut?

Laßt uns lieber von den Bäumen Zweige brechen grün und stark, Uebersät von Blütenträumen Und durchströmt von Lebensmark.

Und erfassen wir die Zweige Mit gewaltig starker Hand, Jagen wir damit die feige Rattenbrut aus allem Land.

Dreingehaut! daß sie zerschmettern All die Zweige im Geheg, So bestreun wir gleich mit Blättern Und mit Blüten uns den Weg!

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Illustration zu Neue Waffen

Interpretation

Das Gedicht "Neue Waffen" von Hermann Rollett beschäftigt sich mit der Idee des revolutionären Wandels und der Frage nach den geeigneten Mitteln, um gesellschaftliche Missstände zu bekämpfen. Der Dichter spricht sich gegen einen blutigen Kampf gegen die "feige Rattenbrut" aus und plädiert stattdessen für einen friedlichen, aber kraftvollen Ansatz. Rollett verwendet dabei eine eindrucksvolle Metapher: Anstelle von Schwertern sollen die Revolutionäre grüne, kräftige Zweige als Waffen nutzen. Diese Zweige, "übersät von Blütenträumen" und "durchströmt von Lebensmark", symbolisieren das Leben, die Natur und die positiven Ideale, für die gekämpft wird. Der Dichter suggeriert, dass diese "Waffen" ausreichen werden, um die Gegner zu vertreiben, ohne dass es zu einem blutigen Gemetzel kommt. Der letzte Vers "So bestreun wir gleich mit Blättern und mit Blüten uns den Weg!" fasst die Kernbotschaft des Gedichts zusammen. Rollett fordert dazu auf, den Weg des Wandels mit Schönheit, Leben und positiven Idealen zu gestalten, anstatt ihn mit Blut und Gewalt zu überziehen. Das Gedicht ist somit eine poetische Anklage gegen blinde Gewalt und ein Plädoyer für einen humaneren, lebensbejahenden Ansatz in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen.

Schlüsselwörter

muß schwert laßt zweige umgestalten alte wolkennacht blitzend

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Stilmittel

Bildsprache
So bestreun wir gleich mit Blättern und mit Blüten uns den Weg
Metapher
Rattenbrut
Personifikation
Wuterfüllt der freie Sang
Rhetorische Frage
Lohnts der Müh, mit scharfen Schlägen hinzufällen morsches Holz?