Neue Fibelverse

Adolf Glaßbrenner

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A. Der Adler raubt und frißt gar viel; Der Adel trieb ein arges Spiel.

B. Der Bär liegt auf der Bärenhaut, Der Bundestag ist bald ergraut.

C. Ein Carcer ist ein finstres Loch; Ein Mensch sogar wird Censor noch.

D. Das Denken, oft dem Denker schadt′s; Der Dummkopf lebt in bona pac′.

E. Das Eichhörnchen hüpft froh und nett; Von Eisen fertigt man die Kett.

F. Zum Flügel thuen Federn noth; Die Freiheit gab der liebe Gott.

G. Nicht gut ist oft Gold, Glanz und Gunst, Göthe that viel für die Kunst.

H. Der Herr zum Hund spricht: ducke dich! Wer Herz hat, hebt zum Himmel sich.

I. Die Ironie schafft Manchem Qual; Jesuiten sind mein Ideal.

K. Der König hat die Krone auf; Die Krankheit geht den alten Lauf.

L. In freier Lust die Lerche singt; Das Lastthier auf der Erde hinkt

M. Millionen lenkt die Majestät; Nach Mitternacht zeigt der Magnet.

N. Die Noth bricht Eisen, heißt der Spruch; Nun, Zweifler, sagt das nicht genug?

O. Die Ochsen, die sind nicht gescheidt; O schreit man, es ist noch nicht Zeit!

P. Der Pudel geht im Pelz umher; Ich haß′ Pedant und Philister.

Q. Suchst du die Q im Menschenstall, Du find′st kaum mehr als Quark und Qual.

R. Rückwärts geht immer nur ein Thor; Revolutionen kommen vor.

S. Das Schaf; das schweigt, wenn man es scheert; Zur Schlacht benutzt man oft das Schwert.

T. Trompet′ und Trommel lustig tönt; Der Teufel nur der Tränen höhnt. U.

Vom Uebel ist, was drüber ist, Und daß dies unten man vergißt.

V. Die Vettern und Verwandten sind Von Vortheil immer noch, mein Kind!

W. Wahrheit verfliegt nicht in der Luft; Wer nicht sein Wort hält, ist ein Schuft.

Z. Der Zügel nützt bei Pferden viel; Der Geist der Zeit kommt doch zum Ziel.

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Illustration zu Neue Fibelverse

Interpretation

Das Gedicht "Neue Fibelverse" von Adolf Glaßbrenner ist eine Sammlung von kurzen, prägnanten Versen, die jeweils einen Buchstaben des Alphabets behandeln. Jeder Vers kombiniert eine tierische oder alltägliche Beobachtung mit einer gesellschaftlichen oder politischen Aussage. Das Gedicht ist als satirische Fibel konzipiert, die durch einfache Reime und Alliterationen eine Kritik an der Gesellschaft und ihren Institutionen übt. Die Verse beginnen mit A und enden mit Z, wobei jeder Buchstabe eine eigene, meist zweizeilige Aussage enthält. Die Verse behandeln Themen wie Adel, Bundestag, Gefängnis, Denken, Freiheit, Kunst, Wahrheit und Zeitgeist. Glaßbrenner nutzt die Einfachheit der Form, um tiefgründige Kritik zu üben, oft mit einer sarkastischen oder ironischen Note. Die Struktur des Gedichts erinnert an eine kindliche Lernhilfe, doch die Inhalte sind für Erwachsene gedacht. Die Verse sind nicht nur lehrhaft, sondern auch kritisch, indem sie gesellschaftliche Missstände aufdecken und zum Nachdenken anregen. Die Verwendung von Tieren und alltäglichen Objekten als Metaphern macht die Kritik zugänglich und einprägsam.

Schlüsselwörter

viel oft geht eisen noth qual zeit adler

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Ochsen, die sind nicht gescheidt; O schreit man, es ist noch nicht Zeit!
Hyperbel
Millionen lenkt die Majestät.
Ironie
Jesuiten sind mein Ideal.
Kontrast
In freier Lust die Lerche singt; Das Lastthier auf der Erde hinkt.
Metapher
Der Zügel nützt bei Pferden viel; Der Geist der Zeit kommt doch zum Ziel.
Personifikation
Der Bär liegt auf der Bärenhaut; Der Bundestag ist bald ergraut.
Symbolik
Der König hat die Krone auf; Die Krankheit geht den alten Lauf.
Vergleich
Das Eichhörnchen hüpft froh und nett; Von Eisen fertigt man die Kett.