Nenn ich dich Glück?

Maria Luise Weissmann

1932

Nenn ich dich Glück? Entsetzen? nenn ich dich Heil oder Folter? Ich weiß keinen Namen Zu fassen dich; ich fügte keinen Rahmen Um dich, daraus dein Bild nicht löste sich Und schritt davon. Ich habe dich zu halten Vermocht in keiner einzigen Gestalt. Ich griff mit einer innigen Gewalt Und was ich griff, lächelte schon gespalten…

Du bist so weise dich stets zu entwinden Aus meinen Worten, meinem Blick, der Hand, Daß ich schon oft vermeinte dich zu finden, Wenn ich fand

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Interpretation

Das Gedicht "Nenn ich dich Glück?" von Maria Luise Weissmann beschäftigt sich mit der flüchtigen und ungreifbaren Natur des Glücks. Die Sprecherin ringt darum, das Glück zu definieren und zu erfassen, und stellt dabei die Frage, ob es Glück, Entsetzen, Heil oder Folter sei. Sie gibt zu, dass sie keinen Namen findet, der das Glück ausreichend beschreibt, und dass es ihr nicht gelingt, es in eine bestimmte Form oder Gestalt zu fassen. Das Glück entzieht sich ständig ihrer Kontrolle und ihrem Verständnis. Die Sprecherin beschreibt ihre vergeblichen Versuche, das Glück zu halten und zu begreifen. Sie versucht, es mit "inniger Gewalt" zu erfassen, doch was sie zu fassen bekommt, lächelt bereits "gespalten". Das Glück ist flüchtig und entzieht sich jeder festen Definition oder Erfassung. Die Sprecherin ist frustriert über ihre Unfähigkeit, das Glück in einer einzigen Gestalt zu halten. Im zweiten Teil des Gedichts wird deutlich, dass das Glück äußerst "weise" ist, sich stets aus den Worten, dem Blick und der Hand der Sprecherin zu winden. Die Sprecherin hat oft das Gefühl, das Glück gefunden zu haben, doch dann stellt sie fest, dass es ihr wieder entglitten ist. Das Glück bleibt ein Rätsel und ein unerreichbares Ziel, das sich der vollständigen Erfassung und Definition entzieht.

Schlüsselwörter

nenn keinen griff glück entsetzen heil folter weiß

Wortwolke

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Stilmittel

Chiasmus
Du bist so weise dich stets zu entwinden Aus meinen Worten, meinem Blick, der Hand
Frage
Nenn ich dich Glück?
Hyperbel
Ich griff mit einer innigen Gewalt
Metapher
Ich fügte keinen Rahmen Um dich, daraus dein Bild nicht löste sich
Parallelismus
Nenn ich dich Glück? Entsetzen? nenn ich dich
Personifikation
Was ich griff, lächelte schon gespalten