Neid
1832Mein kleinster Fehler ist der Neid. - Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Dienstfertigkeit und Frömmigkeit, Obschon es herrlich schöne Gaben, Die gönn ich allen, die sie haben.
Nur wenn ich sehe, daß der Schlechte Das kriegt, was ich gern selber möchte; Nur wenn ich leider in der Nähe So viele böse Menschen sehe, Und wenn ich dann so oft bemerke, Wie sie durch sittenlose Werke Den lasterhaften Leib ergötzen, Das freilich tut mich tief verletzen.
Sonst, wie gesagt, bin ich hienieden Gottlobunddank so recht zufrieden.
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Interpretation
Das Gedicht "Neid" von Wilhelm Busch handelt von der Doppelnatur des Neids und der Selbstreflexion des lyrischen Ichs. Das Gedicht beginnt mit einer scheinbar bescheidenen Aussage, in der das lyrische Ich seinen Neid als seinen "kleinsten Fehler" bezeichnet. Es betont, dass es anderen ihre positiven Eigenschaften wie Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Dienstfertigkeit und Frömmigkeit gönnt. Diese Worte suggerieren eine gewisse Selbstgerechtigkeit und den Versuch, sich selbst in einem positiven Licht darzustellen. Im zweiten Teil des Gedichts wird jedoch deutlich, dass das lyrische Ich tatsächlich neidisch ist, wenn es sieht, dass schlechte Menschen das bekommen, was es selbst gerne hätte. Es äußert seinen Unmut darüber, dass viele böse Menschen in seiner Nähe sind und wie sie durch sittenlose Werke ihren lasterhaften Leib ergötzen. Diese Passage zeigt, dass das lyrische Ich tatsächlich neidisch ist und sich über das Verhalten anderer Menschen ärgert. Im letzten Teil des Gedichts kehrt das lyrische Ich zu seiner anfänglichen Aussage zurück und behauptet, dass es sonst "Gottlobunddank so recht zufrieden" ist. Diese Aussage wirkt jedoch ironisch und deutet darauf hin, dass das lyrische Ich sich selbst belügt oder zumindest versucht, sich selbst und anderen etwas vorzumachen. Insgesamt zeigt das Gedicht die Komplexität menschlicher Emotionen und die Schwierigkeit, mit Neid umzugehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sittenlose Werke
- Anapher
- Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Dienstfertigkeit und Frömmigkeit
- Gegensatz
- Den lasterhaften Leib ergötzen
- Hyperbel
- Obschon es herrlich schöne Gaben
- Ironie
- Mein kleinster Fehler ist der Neid.
- Kontrast
- Nur wenn ich sehe, daß der Schlechte Das kriegt, was ich gern selber möchte
- Schlussfolgerung
- Sonst, wie gesagt, bin ich hienieden Gottlobunddank so recht zufrieden
- Wiederholung
- Nur wenn ich leider in der Nähe So viele böse Menschen sehe