Nebel

Alfred Lichtenstein

1913

Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört. Blutlose Bäume lösen sich in Rauch. Und Schatten schweben, wo man Schreie hört. Brennende Biester schwinden hin wie Hauch.

Gefangne Fliegen sind die Gaslaternen. Und jede flackert, daß sie noch entrinne. Doch seitlich lauert glimmend hoch in Fernen Der giftge Mond, die fette Nebelspinne.

Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen, Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht. Und stechen stumm die weißen Elendsaugen Wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht.

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Illustration zu Nebel

Interpretation

Das Gedicht "Nebel" von Alfred Lichtenstein beschreibt eine düstere, neblige Welt, in der sich die Realität aufzulösen scheint. Die Natur wird als blutleer und rauchartig dargestellt, während Schatten und Schreie die Atmosphäre durchdringen. Die Gaslaternen werden als gefangene Fliegen dargestellt, die vergeblich versuchen zu entkommen, während der Mond als giftige Spinne in der Ferne lauert. Die zweite Strophe vertieft die düstere Stimmung, indem sie die Gaslaternen als gefangene Fliegen beschreibt, die flackern, um zu entkommen. Der Mond wird als giftige Spinne dargestellt, die seitlich lauert und eine bedrohliche Präsenz ausstrahlt. Diese Bilder verstärken das Gefühl der Gefangenschaft und des drohenden Unheils. In der dritten Strophe werden die Menschen als "verrucht" und zum Tode tauglich beschrieben, die durch diese wüste Pracht schreiten. Sie stechen stumm mit ihren weißen Elendsaugen in die aufgeschwollne Nacht, was eine gewaltsame und verzweifelte Handlung suggeriert. Das Gedicht vermittelt insgesamt eine Atmosphäre der Verzweiflung, des Todes und der Zerstörung, in der die Grenzen zwischen Realität und Albtraum verschwimmen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Und stechen stumm die weißen Elendsaugen Wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht.
Personifikation
Blutlose Bäume lösen sich in Rauch.