Nebel
1819Es lagert rings umher ein grauer Flor - Ich weiß es nicht: bricht noch die Sonn’ hervor? Wird dieser Nebel heut sie ganz verhüllen? Und ob er steigt, und ob er niederfällt? So frag’ ich wohl - doch schweigend ruht die Welt Und Flur und Thal mit Dunst sich füllen.
Es dampft der Wald, ein rauchender Altar, Einsam darüber kreist ein scheuer Aar, Er möchte gern empor zur Sonne steigen - Doch nur ein matter Punkt im Aethermeer Erscheint sie heut, sonst alles grau umher - Unheimlich bang ist dieses Schweigen!
Ein Bild der Zeit! Ein Nebel schließt uns ein - Kein Wetter tobt, es glänzt kein Sonnenschein - Die Welt gehüllt in eine weite Wolke! Kein Adlerblick erspäht der Sonne Glanz - Der Freiheit Sonne - sie verhüllt sich ganz - Ein dumpfes Schweigen rings im Volke.
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Interpretation
Das Gedicht "Nebel" von Louise Otto-Peters beginnt mit einer düsteren und fragenden Stimmung. Die Sprecherin beobachtet einen grauen Flor, der die Landschaft umgibt und fragt sich, ob die Sonne jemals wieder durchbrechen wird. Der Nebel wird als Symbol für Ungewissheit und Verwirrung verwendet, da er die Sicht trübt und die Zukunft unklar macht. Die Welt scheint still und ruhig zu sein, während sich Flur und Tal mit Dunst füllen. Im zweiten Abschnitt wird der Wald als rauchender Altar beschrieben, was auf eine Art von Opfer oder Verlust hindeutet. Ein einsamer Adler versucht, zur Sonne aufzusteigen, scheitert jedoch und erscheint nur als ein schwacher Punkt im Äthermeer. Die Sonne selbst ist kaum sichtbar und alles um sie herum ist grau. Die Stimmung ist unheimlich und beängstigend, verstärkt durch das tiefe Schweigen, das die Szene umgibt. Im letzten Abschnitt wird der Nebel als Metapher für die Zeit verwendet. Die Welt ist in eine weite Wolke gehüllt, ohne dass ein Sturm tobt oder die Sonne scheint. Die Freiheit, symbolisiert durch die Sonne, ist verborgen und der Adlerblick kann ihren Glanz nicht erkennen. Das dumpfe Schweigen im Volk verstärkt das Gefühl der Unterdrückung und der Unfreiheit. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Wachsamkeit und dem Wunsch nach einer Rückkehr zur Freiheit und Klarheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bild
- Ein dumpfes Schweigen rings im Volke
- Metapher
- Der Freiheit Sonne
- Personifikation
- Es lagert rings umher ein grauer Flor