Nebel
1893Es lagert rings umher ein grauer Flor - Ich weiß es nicht: bricht noch die Sonn′ hervor? Wird dieser Nebel heut sie ganz verhüllen? Und ob er steigt, und ob er niederfällt? So frag′ ich wohl - doch schweigend ruht die Welt Und Flur und Thal mit Dunst sich füllen.
Es dampft der Wald, ein rauchender Altar, Einsam darüber kreist ein scheuer Aar, Er möchte gern empor zur Sonne steigen - Doch nur ein matter Punkt im Aethermeer Erscheint sie heut, sonst alles grau umher - Unheimlich bang ist dieses Schweigen!
Ein Bild der Zeit! Ein Nebel schließt uns ein - Kein Wetter tobt, es glänzt kein Sonnenschein - Die Welt gehüllt in eine weite Wolke! Kein Adlerblick erspäht der Sonne Glanz - Der Freiheit Sonne - sie verhüllt sich ganz - Ein dumpfes Schweigen rings im Volke.
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Interpretation
Das Gedicht "Nebel" von Louise Otto-Peters verwendet die Metapher des Nebels, um eine bedrückende und ungewisse Atmosphäre zu beschreiben. Der graue Flor, der die Umgebung umgibt, symbolisiert eine undurchdringliche Hülle, die die Sonne verbirgt und die Welt in Dunkelheit taucht. Die Fragen nach dem Aufgang der Sonne und dem Verbleib des Nebels verdeutlichen die Unsicherheit und das Unbehagen, das der Sprecher empfindet. Die Welt ist still und von Dunst erfüllt, was eine Stimmung der Erstarrung und des Wartens schafft. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Wald als rauchender Altar beschrieben, was eine sakrale und zugleich bedrohliche Atmosphäre erzeugt. Der Adler, der sich empor zur Sonne schwingen möchte, steht als Symbol für den Wunsch nach Freiheit und Erleuchtung. Doch seine Bemühungen bleiben vergeblich, da die Sonne nur als matter Punkt im Aethermeer erscheint und alles in Grau gehüllt ist. Das unheimliche Bangen des Schweigens verstärkt die düstere Stimmung und unterstreicht das Gefühl der Isolation und Hoffnungslosigkeit. Im letzten Teil wird der Nebel als ein Bild der Zeit interpretiert, das die Gesellschaft umgibt. Es tobt kein Wetter, und es glänzt kein Sonnenschein, was auf eine Zeit der Stagnation und des Stillstands hindeutet. Die Welt ist in eine weite Wolke gehüllt, und selbst der Adlerblick kann den Glanz der Sonne nicht erspähen. Die Sonne der Freiheit verbirgt sich ganz, und ein dumpfes Schweigen liegt über dem Volk. Dieses Bild verdeutlicht eine Gesellschaft, die von Unterdrückung und Hoffnungslosigkeit geprägt ist, in der die Sehnsucht nach Freiheit und Erleuchtung unerfüllt bleibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Es dampft der Wald, ein rauchender Altar
- Kontrast
- Kein Wetter tobt, es glänzt kein Sonnenschein
- Metapher
- Aethermeer
- Personifikation
- sie verhüllt sich ganz
- Symbolik
- Ein dumpfes Schweigen rings im Volke