Nebel
1866Der Nebel, der auf die Gassen Sich senkt mit schleierndem Wallen, Er will uns nicht irren lassen, Er sagt nur die Wahrheit uns allen.
Er zeigt, wie allein wir wandern Auf schrittweis erhellten Wegen, Wie wenig wir wissen von Andern, Die huschend im Dämmer sich regen:
Wie alle nur flüchtige Schemen, Auftauchend und wieder verschwindend, Bereit, sich vertraulich zu nehmen, Doch nimmer im Klaren sich findend.
Nun hebt sich zu luftigem Fluge Der Schleier von unserer Sphäre - Und wieder sind wir im Truge Des Wissens und der Verkehre.
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Interpretation
Das Gedicht "Nebel" von Hanns von Gumppenberg thematisiert die menschliche Existenz und die Grenzen unseres Wissens und Verstehens. Der Nebel wird als Metapher für die Unklarheit und Ungewissheit des Lebens verwendet. Er "senkt sich" auf die Straßen und will uns nicht täuschen, sondern die Wahrheit zeigen: dass wir alleine auf erhellten Wegen wandern und wenig über andere wissen, die im Dämmer verschwinden. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die flüchtige Natur menschlicher Beziehungen. Alle sind nur "Schemen", die auftauchen und wieder verschwinden. Sie sind bereit, sich vertraulich zu geben, finden aber nie Klarheit oder Gewissheit. Der Nebel symbolisiert die Vergänglichkeit und Unbeständigkeit aller Dinge. Im letzten Teil hebt sich der Nebel und gibt den Blick auf die "Sphäre" wieder frei. Doch anstatt Klarheit zu bringen, führt dies zurück in die "Trug" des Wissens und der Missverständnisse. Der Dichter deutet an, dass der Schein der Gewissheit und des Verstehens trügerisch ist und dass wir letztlich in einem Zustand der Ungewissheit und des Nichtwissens verbleiben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Nun hebt sich zu luftigem Fluge, Der Schleier von unserer Sphäre - Und wieder sind wir im Truge
- Metapher
- Der Schleier von unserer Sphäre
- Parallelismus
- Wie allein wir wandern, Auf schrittweis erhellten Wegen
- Personifikation
- Der Nebel, der auf die Gassen sich senkt mit schleierndem Wallen, Er will uns nicht irren lassen, Er sagt nur die Wahrheit uns allen.
- Wiederholung
- Wie alle nur flüchtige Schemen, Auftauchend und wieder verschwindend