Naturstimmen

Hermann Rollett

unknown

Fragment.

I.

Die freie Kraft, die in der Schöpfung waltet, Die allbelebend jeden Raum durchdrungen, Hat mit dem ersten Blümlein sich entaltet, Ist aus des ersten Vögleins Lied geklungen.

Und diese Kraft hat nimmer sich veraltet Sie hat sich durch Jahrtausende gerungen, Hat sich zum freien Worte umgestaltet, Und wird nun laut als Freiheitslied gesungen.

Die Freiheit haben wir von Gott gelernt — Der Kraft, die nach Gesetzen frei erzeugt, Die Welten schuf, die Himmel hat besternt.

Und hat die Menscheit sich von ihr entfernt, Gibts Manchen doch, den die Natur gesaugt, Und einen Sinn, der keinem Joch sich beugt.

II.

Und leise reget sich das freie Leben, Das durch die Lüfte stürmt wie im Traum, Die Blumen duften und die Schatten schweben - Ein Ungeweihter hört die Sprache kaum.

Und Schwalbenfittige und Lüftchen heben Die freien Kräfte in den Aetherraum, Und aus des Mühlenrades Kerkerstäben Springt frei hervor des Baches Schaum

Doch manchmal wird das Flüstern auch zur Stimme, Die Kraft ertänt aus lautem Donnermund, Der Bach stürzt über Felsen wie im Grimme,

Daß er im Falle perlenglänzend stimme, Und lauter Sturm tobt durch den Waldesgrund Als freies Lied durchs freie Erdenrund.

III.

Es war im Lenz als ich hinausgegangen Ins grüne Feld mit hoffnungsvoller Lust, Die Frühlingsluft umwehte mir die Wangen, Daß ich in stiller Freude lächeln mußt.

Der Sonnenstral umzog mit goldnen Spangen Der Frühlingserde jungfräuliche Brust, Doch hielt er sie mit milden Glutverlangen, Weil er des freien Athems Glück gewußt.

Die Blumen dufteten zum Himmelsbogen, Vom blauen Liebesauge angelacht, Und Blütenschnee kam leicht dahergeflogen.

Und diese Welt vom Friedensglück umzogen — Dieß stille Glück - o hättet ihrs gedacht? Hat freie Kraft im freien Raum gemacht.

IV.

So schritt ich selig durch die Frühlingsfeier, Und wie ich still durch Feld und Wiese kam, Wand mich ein Wald in seinen Schattenschleier, Der grünend mich in seine Kühle nahm.

Und immer trauter, immer milder, freier Des Waldes Friede liebend mich umschwamm, Daß ich die Erde und ihr Schmerzgeleier, Die ganze Welt vergaß und ihren Gram.

Hoch brausten über mir dei Eichenriesen, Und ringsum prangte süßer Rosen Flur, Die oftmals schon den Eichenwald gepriesen.

Daß er im Stamme ihnen Schutz erwiesen, Daß er so treu war ohne Eid und Schwur Als freier Sohn der freien Waldnatur.

V.

Bald hob den Blick ich auf zum Blätterdache, Bald mahnte michs, daß nirgends Jubel fehle, Da ringsum ja die Rosenflur mir lache.

So lauscht ich, stumm, daß jedes Wort ich Der flüsternden, geheinmißvollen Sprache — In süßem Zweifel, was ich lieber wähle, Nicht wissend, ob ich träume oder wache.

Und zauberhaft es meine Sinne; Der Waldesschatten sprach mit trautem Flüstern Als sagt er mir, daß er ein Märchen spinne.

Als hätt der Waldbach ein Geheimniß inne, So heimlich rann er durch das Waldesdüstern, Und machte mich darnach unsäglich lüstern.

VI.

Ich komme her aus tiefem Waldesdunkel So flüsterte der Bach vorüberrinnend, Indeß ich in der Wellen hell Gefunkel Mit heißer Sehnsucht blickte still und sinnend.

Wo Demant ruht und Silber und Karfunkel Wo Kobold waltet, Goldgewänder spinnend, Da woget meine Nymphe still im Dunkel Auf goldnen Stufen Tageslicht gewinnend.

Mit Klagetönen ström ich aus der Erde, Doch kaum erblick ich nur das Licht der Welt, Kaum ahn ich nur, daß mir Befreiung werde,

Da spring ich laut mit jubelnder Geberde — Von keinem Zwang der Erdennacht gequält, Hinaus ins freie, blütenvolle Feld.

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Illustration zu Naturstimmen

Interpretation

Das Gedicht "Naturstimmen" von Hermann Rollett ist ein poetisches Fragment, das die Kraft der Natur und ihre Verbindung zur Freiheit thematisiert. In den einzelnen Teilen des Gedichts wird die Natur als eine lebendige, belebende Kraft dargestellt, die sich durch die Schöpfung zieht und den Menschen inspiriert. Im ersten Teil des Gedichts wird die Natur als eine freie Kraft beschrieben, die seit Anbeginn der Zeit existiert und sich durch Jahrtausende hindurch behauptet hat. Diese Kraft hat sich im Laufe der Zeit zum freien Wort entwickelt und wird nun als Freiheitslied gesungen. Der Mensch hat von Gott gelernt, was Freiheit bedeutet, und die Natur hat ihn dazu inspiriert, sich von jeglichem Joch zu befreien. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Natur als eine leise, aber kraftvolle Kraft dargestellt, die durch die Lüfte stürmt und die Blumen duften lässt. Die Natur wird als eine Sprache beschrieben, die nur von Eingeweihten verstanden werden kann. Die freien Kräfte der Natur heben sich in den Aetherraum und der Bach springt frei aus den Kerkerstäben des Mühlrades. Im dritten Teil des Gedichts wird die Natur als eine Quelle des Friedens und der Freude dargestellt. Der Sprecher des Gedichts geht im Frühling in das grüne Feld und wird von der Schönheit der Natur überwältigt. Die Blumen duften zum Himmel und die Welt ist von einem stillen Glück umgeben, das von der freien Kraft im freien Raum geschaffen wurde. Im vierten Teil des Gedichts wird die Natur als ein Ort der Ruhe und des Friedens dargestellt. Der Sprecher des Gedichts wandert durch den Wald und wird von der Stille und der Schönheit der Natur überwältigt. Die Eichenriesen und die Rosenflur werden als Symbole der Freiheit und der Treue dargestellt. Im fünften Teil des Gedichts wird die Natur als eine Quelle der Inspiration und der Kreativität dargestellt. Der Sprecher des Gedichts lauscht den Flüstern des Waldes und wird von der Schönheit der Natur inspiriert. Der Wald und der Bach werden als Orte des Geheimnisses und der Sehnsucht dargestellt. Im sechsten und letzten Teil des Gedichts wird die Natur als eine Quelle der Befreiung und der Freude dargestellt. Der Bach erzählt seine Geschichte und beschreibt, wie er aus der Erde kommt und sich befreit, um ins freie, blütenvolle Feld zu gelangen. Die Natur wird als eine Quelle der Inspiration und der Freiheit dargestellt, die den Menschen dazu inspiriert, sich von jeglichem Joch zu befreien und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Schlüsselwörter

freie kraft freien kaum feld welt still waltet

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Stilmittel

Alliteration
Blümlein sich entaltet
Metapher
Hinaus ins freie, blütenvolle Feld
Personifikation
Die freie Kraft, die in der Schöpfung waltet