Naturschauer
1856Die Wellen rauschen, es nachtet, Der Mond scheint mit Verdruß, Geschlagene Soldaten Marschiren über den Fluß.
Dort nicken die ungeheuern Felsberge gespensterhaft, Es raget über dem Wirrsal Die düstre Prachtlandschaft.
Ein Schauer, machtvoll, herrlich, Weht durch die stumme Natur, Als wäre ein Gott gestorben, Ist ringsum Trauer nur.
Auch in den wunden Gemüthern Der Krieger lagert Nacht, In tausend Herzen dunkelts, Doch es dunkelt ohne Pracht.
Genommen ist die Fahne, Gefallen der beste Held, Das Vaterland ist verloren - Gewonnen die weite Welt.
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Interpretation
Das Gedicht "Naturschauer" von Ludwig Eichrodt beschreibt eine düstere und traurige Stimmung, die sich über die Natur und die Krieger legt. Die Wellen rauschen und es nachtet, während der Mond mit Verdruss scheint. Geschlagene Soldaten marschieren über den Fluss, umgeben von ungeheuren Felsbergen, die gespensterhaft nicken. Über dem Wirrsal ragt eine düstere Prachtlandschaft empor. Ein Schauer, machtvoll und herrlich, weht durch die stumme Natur. Es scheint, als wäre ein Gott gestorben, und ringsum herrscht Trauer. Auch in den wunden Gemütern der Krieger lagert die Nacht. In tausend Herzen ist es dunkel, doch ohne die Pracht, die sonst die Dunkelheit begleiten würde. Die Fahne ist genommen, der beste Held gefallen. Das Vaterland ist verloren, aber dafür gewonnen die weite Welt. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Verlust, Trauer und Resignation, während gleichzeitig ein Hauch von Hoffnung und Weite durchscheint.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Gewonnen die weite Welt
- Personifikation
- Die Wellen rauschen
- Symbolik
- Genommen ist die Fahne
- Vergleich
- Als wäre ein Gott gestorben