Nähe
1769Wie du mir oft, geliebtes Kind, Ich weiß nicht wie, so fremde bist! Wenn wir im Schwarm der vielen Menschen sind, Das schlägt mir alle Freude nieder. Doch ja, wenn alles still und finster um uns ist, Erkenn′ ich dich an deinen Küssen wieder.
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Interpretation
Das Gedicht "Nähe" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert die ambivalente Natur der Nähe und Distanz in einer Beziehung. Der Sprecher beschreibt, wie seine geliebte Person ihm oft fremd erscheint, wenn sie sich in einer Menschenmenge befinden. Diese Fremdheit trübt seine Freude und lässt ihn sich isoliert fühlen. Der erste Teil des Gedichts verdeutlicht, wie die äußere Umgebung die Wahrnehmung der Beziehung beeinflussen kann. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich das Blatt. In der Stille und Dunkelheit der Nacht erkennt der Sprecher seine geliebte Person wieder an ihren Küssen. Diese Intimität und Nähe, die in der Menge verloren gegangen ist, kehrt in der Abgeschiedenheit zurück. Das Gedicht verdeutlicht, dass wahre Nähe nicht von der äußeren Umgebung abhängt, sondern von der inneren Verbindung zwischen den Liebenden. Die Struktur des Gedichts, mit seinem Wechsel von Fremdheit zu Vertrautheit, spiegelt die emotionale Reise des Sprechers wider. Goethe nutzt den Kontrast zwischen der geschäftigen Menge und der ruhigen Dunkelheit, um die verschiedenen Facetten der Beziehung zu beleuchten. Das Gedicht endet mit einer Note der Hoffnung und Bestätigung, dass die Liebe auch in der Nähe bestehen kann, wenn die richtigen Bedingungen gegeben sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Doch ja, wenn alles still und finster um uns ist, erkenn′ ich dich an deinen Küssen wieder.
- Metapher
- Wie du mir oft, geliebtes Kind, ich weiß nicht wie, so fremde bist!
- Personifikation
- Das schlägt mir alle Freude nieder.