Nächtliche Wanderung
1862Ich schreite einsam durch den Wald, Die Nacht webt schwarz um düstre Tannen; Vor meinem Geist steht Weh und Luft Der langen Jahre, die verrannen.
Hat mehr des Leibes, mehr der Luft Mich angefaßt im Weltgetriebe? - Ob allem, was verweht, vergeht, Stand ewig leuchtend deine Liebe!
Auch heute, da durch Nacht und Graun Mein müder Fuß zum Ziele schreitet, Fühl ich o tief, wie mich dein Geist In dieser Einsamkeit begleitet.
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Interpretation
Das Gedicht "Nächtliche Wanderung" von Otto Ernst handelt von einer einsamen Wanderung durch den Wald in der Nacht, bei der der Sprecher über sein Leben und seine Liebe nachdenkt. Die düstere Atmosphäre des Waldes spiegelt die melancholische Stimmung des Sprechers wider, der von Weh und Schmerz über die vergangenen Jahre erfüllt ist. Der zweite Teil des Gedichts reflektiert über die Frage, was den Sprecher mehr geprägt hat - die körperlichen Erfahrungen im Alltag oder die geistigen und emotionalen Erfahrungen. Die Antwort darauf ist die ewige und leuchtende Liebe, die über allem steht, was vergänglich ist. Diese Liebe gibt dem Sprecher Kraft und Trost. Im letzten Teil des Gedichts wird deutlich, dass der Sprecher auch in der Einsamkeit der Nacht die Gegenwart seiner geliebten Person spürt. Ihr Geist begleitet ihn auf seiner Wanderung und gibt ihm Halt und Hoffnung. Die Liebe überwindet die Grenzen von Zeit und Raum und bleibt auch in der dunkelsten Nacht bestehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [schreite einsam langen Jahre verweht, vergeht]
- Enjambement
- [Ich schreite einsam durch den Wald, Die Nacht webt schwarz um düstre Tannen; Ob allem, was verweht, vergeht, Stand ewig leuchtend deine Liebe!]
- Kontrast
- [Hat mehr des Leibes, mehr der Luft Mich angefaßt im Weltgetriebe?]
- Metapher
- [Die Nacht webt schwarz um düstre Tannen Deine Liebe steht ewig leuchtend]
- Personifikation
- [Die Nacht webt schwarz]
- Reimschema
- [Wald-Tannen Luft-verrannen Graun-begleitet]
- Symbolik
- [Die Nacht steht symbolisch für Einsamkeit und Trauer]