Nächtliche Stunde
1874Nächtliche Stunde, die mir vergeht, da ich’s ersinne, bedenke und wende, und diese Nacht geht schon zu Ende. Draußen ein Vogel sagt: es ist Tag.
Nächtliche Stunde, die mir vergeht, da ich’s ersinne, bedenke und wende, und dieser Winter geht schon zu Ende. Draußen ein Vogel sagt: es ist Frühling.
Nächtliche Stunde, die mir vergeht, da ich’s ersinne, bedenke und wende, und dieses Leben geht schon zu Ende. Draußen ein Vogel sagt: es ist Tod.
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Interpretation
Das Gedicht "Nächtliche Stunde" von Karl Kraus beschreibt die vergehende Zeit in drei verschiedenen Kontexten. In der ersten Strophe geht es um eine nächtliche Stunde, die der Sprecher damit verbringt, etwas zu ersinnen, zu bedenken und zu wenden. Draußen kündigt ein Vogel den nahenden Tag an. In der zweiten Strophe wird die nächtliche Stunde mit einem Winter verglichen, der ebenfalls zu Ende geht. Der Vogel verkündet den Beginn des Frühlings. In der dritten und letzten Strophe wird die nächtliche Stunde mit dem Leben selbst gleichgesetzt, das sich ebenfalls dem Ende zuneigt. Der Vogel signalisiert den Tod. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und reflektiert über die Vergänglichkeit von Zeit, Jahreszeiten und Leben. Die Wiederholung der ersten drei Zeilen in jeder Strophe betont die Monotonie und das unaufhaltsame Vergehen der Zeit. Der Vogel dient als Symbol für den natürlichen Kreislauf von Tag und Nacht, Winter und Frühling sowie Leben und Tod. Die kurzen, prägnanten Zeilen und die einfache Sprache unterstreichen die Klarheit und Eindringlichkeit der Botschaft. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine nachdenkliche und leicht traurige Stimmung, die den Leser zum Nachdenken über die eigene Vergänglichkeit anregt. Die Verwendung des Vogels als Symbol für den Wechsel der Jahreszeiten und des Lebenszyklus verleiht dem Gedicht eine universelle Bedeutung und lässt den Leser die eigene Endlichkeit bewusst werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Nächtliche Stunde, die mir vergeht, da ich's ersinne, bedenke und wende
- Antithese
- Draußen ein Vogel sagt: es ist Tag. / Draußen ein Vogel sagt: es ist Frühling. / Draußen ein Vogel sagt: es ist Tod.
- Metapher
- Nächtliche Stunde, die mir vergeht
- Personifikation
- Draußen ein Vogel sagt: es ist Tag. / Draußen ein Vogel sagt: es ist Frühling. / Draußen ein Vogel sagt: es ist Tod.