Nächtiges Lied
1860Das sind die singenden Nächte! Da wandelt durch meine Kammer Tönender Schmerz, Ein wildes, zerströmendes Schluchzen, Das ist mein Herz, Das kann nicht schlafen Und weint.
Setz mich dann auf den Bettrand Und beginn zu singen, Wie Mütter ihr krankes Kindlein Zum Schlummern bringen: Schlafe, mein Herz, schlafe, Schlafe! …
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Interpretation
Das Gedicht "Nächtiges Lied" von Maria Janitschek thematisiert die unruhigen und schmerzhaften Nächte, die der lyrischen Ich-Erzählerin widerfahren. In den ersten beiden Strophen wird eine Atmosphäre der Verzweiflung und des Leids geschaffen. Das Herz der Erzählerin ist voller Schmerz und kann nicht zur Ruhe kommen. Es wandelt durch die Kammer und schluchzt wild und unstet. Das Herz wird dabei als eigenständige, leidende Instanz dargestellt, die nicht zur Ruhe kommen kann. In den letzten beiden Strophen wendet sich die Erzählerin dann selbst an ihr Herz. Sie setzt sich auf den Bettrand und beginnt, ihrem Herzen ein Schlaflied zu singen, wie eine Mutter es ihrem kranken Kind vor dem Einschlafen vorsingt. Mit den Worten "Schlafe, mein Herz, schlafe, Schlafe!" versucht sie, ihr Herz zur Ruhe zu bringen und ihm den dringend benötigten Schlaf zu ermöglichen. Die Wiederholung des Wortes "schlafe" am Ende der Strophen unterstreicht den Wunsch der Erzählerin, dass ihr Herz endlich zur Ruhe kommen möge. Das Gedicht vermittelt auf eindringliche Weise das Gefühl von innerem Aufruhr und Schmerz, der die Nächte der Erzählerin bestimmt. Gleichzeitig zeigt es aber auch den fürsorglichen und liebevollen Umgang der Erzählerin mit ihrem eigenen Herzen. Sie versucht, es zu trösten und ihm den Schlaf zu ermöglichen, den es so dringend braucht. Das Gedicht thematisiert damit die Bedeutung von Selbstfürsorge und den Versuch, sich selbst in schwierigen Zeiten beizustehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Schlafe, mein Herz, schlafe, Schlafe! ...
- Metapher
- Das ist mein Herz
- Personifikation
- Tönender Schmerz, Ein wildes, zerströmendes Schluchzen