Nächtige Seefahrt

Paul Boldt

1885

Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend. Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend, Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.

Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt. Die gleichen Wogen streifen, weichen vorn Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.

Dann steift der Wind. Er gibt die Brise doppelt Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler, Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt

Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler Stockt, steht, stößt einmal in die Runde Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.

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Illustration zu Nächtige Seefahrt

Interpretation

Das Gedicht "Nächtige Seefahrt" von Paul Boldt beschreibt eine nächtliche Seefahrt, die von stürmischer See und heftigem Wind geprägt ist. Die Winde werden als von Möwen gejagt dargestellt, die durch die Luft pfeifen und das Meer aufwühlen. Die Segel klatschten, das Ruder patschte und die Wellen strömten vorne und hinten auseinander. Der Wind steifte und verstärkte sich, die Wellen türmten sich höher auf wie eine Meute, die ein Pikeur losgelassen hat. Am Ende steht ein starker Keiler, der sich den Hunden entgegenstellt und sie zerfetzt. Das Gedicht vermittelt eine bedrohliche, wilde Atmosphäre. Die Naturgewalten werden personifiziert und als feindselig dargestellt. Die Möwen hetzen die Winde, die Wellen werden von den Winden gejagt. Die Meute der Wellen wird von einem Pikeur losgelassen, der sie mit Gier anstachelt. Nur der Keiler hält dagegen, ein starkes, wildes Tier, das sich zur Wehr setzt. Die Bilder sind martialisch und aggressiv, sie evozieren einen Kampf zwischen Mensch und Natur. Insgesamt entsteht der Eindruck einer dramatischen, gefährlichen Seefahrt, bei der die Naturgewalten übermächtig erscheinen. Nur ein starkes, wildes Tier kann sich ihnen noch entgegenstellen. Das Gedicht ist eine eindringliche Schilderung der Kraft und Bedrohlichkeit der Natur.

Schlüsselwörter

möwen winde dutzend geschwänzt schlagen luft dumpf pfeifend

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Dann steift der Wind
Hyperbel
Der starke Keiler zerfetzt die Hunde
Metapher
Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend Geschwänzt
Onomatopoesie
Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt
Personifikation
Der Möwen Zorn schmäht die Wogen
Vergleich
Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt