Nachts und Morgens

Friedrich Theodor Vischer

1939

Nachts.

Armer Laternenschein! Suchst in den Nebel hinein, Möchtest und kannst doch nicht, Dumpf, dicht, Breit, schwer Liegt er umher. – So trübe bricht Am alten Räthsel sich das Geisteslicht.

Morgens.

Sonne, wie scheinst du rein Heut in die Welt herein! Jegliches, was da lebt, Wie es so klar sich hebt Und doch im Ganzen webt! Und hinter all dem vollen Schein, Was mag da wohl verborgen sein? »Noch immer suchen, Grübler, der du bist? Frei dich an dem, was vornen ist.«

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Illustration zu Nachts und Morgens

Interpretation

Das Gedicht "Nachts und Morgens" von Friedrich Theodor Vischer beschreibt den Kontrast zwischen Nacht und Morgen sowie die menschliche Suche nach Erkenntnis und Verständnis. In der Nacht wird das Licht der Laterne durch den dichten Nebel behindert, was als Metapher für die Schwierigkeit des menschlichen Geistes dient, die Rätsel des Lebens zu durchdringen. Die Dunkelheit symbolisiert die Begrenzungen des menschlichen Wissens und die Herausforderungen, die Wahrheit zu erkennen. Mit dem Morgengrauen ändert sich die Stimmung im Gedicht. Die Sonne strahlt rein und klar in die Welt, und alles, was lebt, erhebt sich deutlich und doch in harmonischer Einheit. Dieser Teil des Gedichts vermittelt ein Gefühl der Klarheit und des Verständnisses, das mit dem Licht des neuen Tages einhergeht. Doch selbst in dieser Klarheit bleibt eine Frage offen: Was verbirgt sich hinter all dem offensichtlichen Schein? Die abschließende Ansprache der Sonne an den "Grübler" deutet darauf hin, dass die ständige Suche nach tieferen Wahrheiten manchmal dazu führen kann, dass man die offensichtlichen und unmittelbaren Schönheiten des Lebens übersieht. Die Sonne ermutigt dazu, die Gegenwart und das Sichtbare zu schätzen, anstatt sich ausschließlich auf das Verborgene und Unbekannte zu konzentrieren. Das Gedicht vermittelt somit eine Botschaft über das Gleichgewicht zwischen dem Streben nach Erkenntnis und der Wertschätzung des gegenwärtigen Moments.

Schlüsselwörter

nachts armer laternenschein suchst nebel hinein möchtest kannst

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Stilmittel

Bildsprache
Dumpf, dicht, Breit, schwer Liegt er umher
Direkte Ansprache
»Noch immer suchen, Grübler, der du bist? Frei dich an dem, was vornen ist.«
Frage
Und hinter all dem vollen Schein, Was mag da wohl verborgen sein?
Kontrast
Nachts und Morgens
Metapher
Am alten Räthsel sich das Geisteslicht
Personifikation
Armer Laternenschein! Suchst in den Nebel hinein, Möchtest und kannst doch nicht