Nachtgedanken

Rainer Maria Rilke

1844

Weltenweiter Wandrer, walle fort in Ruh………. Also kennt kein andrer Menschenleid wie - du.

Wenn mit lichtem Leuchten du beginnst den Lauf. schlägt der Schmerz die feuchten Augen zu dir auf.

Drinnen liegt - als riefen sie dir zu: versteh ! - tief in ihren Tiefen eine Welt von Weh………

Tausend Tränen reden ewig ungestillt, - - und in einer jeden spiegelt sich dein Bild.

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Illustration zu Nachtgedanken

Interpretation

Das Gedicht "Nachtgedanken" von Rainer Maria Rilke ist ein tiefgründiges und melancholisches Werk, das sich mit den Themen Einsamkeit, Leid und der menschlichen Existenz auseinandersetzt. Der Titel deutet bereits an, dass es sich um Gedanken handelt, die in der Nacht, in der Stille und Dunkelheit, entstehen. Der erste Vers "Weltenweiter Wandrer, walle fort in Ruh" spricht einen Wanderer an, der weit gereist ist und nun in Ruhe weiterziehen soll. Dieser Wanderer ist ein Symbol für den Menschen, der durch die Welt zieht und dabei Leid erfährt. Der zweite Vers "Also kennt kein andrer Menschenleid wie - du" betont die Einzigartigkeit dieses Leidens, das nur der Wanderer selbst kennt und versteht. Der zweite Strophenabschnitt beschreibt den Beginn eines neuen Tages, symbolisiert durch das "lichte Leuchten". Doch selbst in diesem Moment des Neubeginns schlägt der Schmerz seine "feuchten Augen" auf. Dies deutet darauf hin, dass das Leid immer präsent ist und selbst in den hellsten Momenten des Lebens nicht verschwindet. Die dritte Strophe vertieft das Thema des Leids, indem sie von "tausend Tränen" spricht, die "ewig ungestillt" sind. In jeder dieser Tränen spiegelt sich das Bild des Wanderers, was bedeutet, dass das Leid ein Teil seiner Identität ist und ihn ständig begleitet. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass in den Tiefen dieser Tränen eine "Welt von Weh" liegt, eine Welt voller Schmerz und Trauer. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Melancholie und Einsamkeit, aber auch eine gewisse Akzeptanz des Leids als Teil des menschlichen Daseins. Es lädt den Leser dazu ein, über die eigene Existenz und die allgegenwärtige Präsenz von Schmerz und Trauer nachzudenken.

Schlüsselwörter

weltenweiter wandrer walle fort ruh also kennt kein

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Stilmittel

Anapher
Weltenweiter Wandrer, walle fort in Ruh.......... Also kennt kein andrer Menschenleid wie - du.
Bildsprache
Wenn mit lichtem Leuchten du beginnst den Lauf.
Hyperbel
Tausend Tränen reden ewig ungestillt
Metapher
tief in ihren Tiefen eine Welt von Weh
Personifikation
Wenn mit lichtem Leuchten du beginnst den Lauf.