Nachtgedanken
1749Euch bedaur′ ich, unglücksel′ge Sterne, Die ihr schön seid und so herrlich scheinet, Dem bedrängten Schiffer gerne leuchtet, Unbelohnt von Göttern und von Menschen: Denn ihr liebt nicht, kanntet nie die Liebe!
Unaufhaltsam führen ew′ge Stunden Eure Reihen durch den weiten Himmel. Welche Reise habt ihr schon vollendet, Seit ich, weilend in dem Arm der Liebsten, Euer und der Mitternacht vergessen!
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Interpretation
Das Gedicht "Nachtgedanken" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Liebe und der Betrachtung der Sterne als unglückselige Wesen. Das Ich bedauert die Sterne, die zwar schön und herrlich sind, aber dem Schiffer gerne leuchten, ohne von Göttern oder Menschen belohnt zu werden. Es sieht in ihnen Wesen, die nicht lieben und die Liebe nie gekannt haben. In den folgenden Zeilen reflektiert das Ich über die ewige Bewegung der Sterne durch den Himmel. Es fragt sich, wie viele Reisen die Sterne bereits vollendet haben, während es selbst in den Armen seiner Liebsten verweilte und die Sterne sowie die Mitternacht vergaß. Diese Zeilen verdeutlichen den Kontrast zwischen der ewigen Bewegung der Sterne und der vergänglichen, aber intensiven Liebe des lyrischen Ichs. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und thematisiert die Vergänglichkeit der Liebe im Gegensatz zur Unvergänglichkeit der Sterne. Das Ich scheint sich bewusst zu sein, dass die Liebe vergänglich ist, während die Sterne ewig weiterziehen werden. Die Betrachtung der Sterne dient als Spiegel für die eigenen Gefühle und Gedanken des lyrischen Ichs.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Euch bedaur′ ich, unglücksel′ge Sterne
- Hyperbel
- Unaufhaltsam führen ew′ge Stunden Eure Reihen durch den weiten Himmel
- Kontrast
- Denn ihr liebt nicht, kanntet nie die Liebe!
- Personifikation
- Dem bedrängten Schiffer gerne leuchtet