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Nachtgebet der Braut

Von

O mein Geliebter – in die Kissen
bet ich nach dir, ins Firmament!
O könnt ich sagen, dürft er wissen,
wie meine Einsamkeit mich brennt!

O Welt, wann darf ich ihn umschlingen!
O laß ihn mir im Traume nahn,
mich wie die Erde um ihn schwingen
und seinen Sonnenkuß empfahn

und seine Flammenkräfte trinken,
ihm Flammen, Flammen wiedersprühn,
o Welt, bis wir zusammensinken
in überirdischem Erglühn!

O Welt des Lichtes, Welt der Wonne!
O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!
O Traum der Erde: Sonne, Sonne!
O mein Geliebter – mein Gemahl –

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Gedicht: Nachtgebet der Braut von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Nachtgebet der Braut“ von Richard Dehmel ist ein leidenschaftlicher Ausbruch der Sehnsucht einer Braut nach ihrem Geliebten. Es ist ein Gebet, das sich an den Geliebten selbst, aber auch an die Welt richtet und die Intensität der Gefühle der Frau zum Ausdruck bringt, die von ungestillter Sehnsucht und der Erwartung der Vereinigung erfüllt sind. Das Gedicht oszilliert zwischen dem Wunsch nach körperlicher Nähe und der spirituellen Sehnsucht nach einem Zustand der Ekstase und Verschmelzung.

Die ersten beiden Strophen drücken die Sehnsucht nach der physischen Präsenz des Geliebten aus, mit dem Gebet in die Kissen und dem Wunsch, dass er von den Gefühlen der Braut erfährt. Die Anrede „O mein Geliebter“ unterstreicht die Intimität und das Verlangen nach Verbindung. Die Bitte, dass er im Traum erscheint, deutet auf eine Sehnsucht, die über die physische Realität hinausgeht. Es ist ein Wunsch nach Vereinigung, der sich in der Vorstellung ausdrückt, sich „wie die Erde um ihn [zu] schwingen“ und seinen „Sonnenkuß“ zu empfangen. Diese Bilder sind stark metaphorisch und verstärken das Verlangen nach Hingabe und Verschmelzung.

Die dritte Strophe erreicht einen Höhepunkt der Leidenschaft. Hier wird die Vorstellung der Verschmelzung so intensiv, dass die Braut die „Flammenkräfte“ des Geliebten „trinken“ und ihm „Flammen“ wiedersprühen möchte. Dies ist eine Metapher für ein gegenseitiges Aufgehen in der Leidenschaft, bis beide in „überirdischem Erglühn“ zusammensinken. Die Verwendung von Bildern wie „Flammen“ und „Erglühn“ deutet auf eine gesteigerte Sinnlichkeit hin, die mit einem religiösen Eifer verknüpft ist, der die Liebe als etwas Göttliches darstellt.

Die letzte Strophe fasst die Spannweite der Emotionen zusammen: die „Welt des Lichtes“ und der „Wonne“ stehen der „Nacht der Sehnsucht“ und der „Qual“ gegenüber. Die Braut sehnt sich nach einem Zustand der Einheit, der durch die Metapher der „Sonne“ verkörpert wird, die ihren Geliebten repräsentiert. Das Gedicht endet mit der liebevollen Bezeichnung „mein Gemahl“, die die Sehnsucht nach dem vollkommenen Glück der Ehe und der vollständigen Erfüllung durch die Vereinigung mit dem Geliebten zum Ausdruck bringt. Das Gedicht ist somit ein kraftvoller Ausdruck der Liebe und des Verlangens nach der endgültigen Vereinigung mit dem Geliebten.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.