Nachtfrieden

Max Vogler

1901

Thaue nur vom Himmel nieder, Süßer Frieden sink auf mich, Wie sich in die Augenlider Einst der Kindheit Schlummer schlich!

Laß die Welt mit ihrem Leide, Laß sie mich vergessen ganz, Nimm mein Herz und segnend scheide Es von ihrem Prunk und Glanz!

Eitel Thorheit ist ja Alles, Was die Menge blind umschwärmt, Thorheit, wie sie lauten Schalles Ruhlos draußen wogt und lärmt!

Lege Du die Zauberschleier Sachte um die Seele mir, Daß mein Herz in sel′ger Feier Ganz sich in sich selbst verlier′!

Denken laß mich, traumverloren, Was ich einst ersehnt, gehofft, Und was, ach! Noch ungeboren, Schon in Schaum zerfloß so oft!

Sollst mir doch die Brust nicht engen; Laß der künft′gen Tage Wehn Ahnend sie entgegendrängen: Was nicht war, kann noch geschehn! . .

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Illustration zu Nachtfrieden

Interpretation

Das Gedicht "Nachtfrieden" von Max Vogler thematisiert den Wunsch nach innerem Frieden und der Flucht vor der hektischen und oft sinnlosen Welt. Der Sprecher sehnt sich danach, von einem süßen Frieden umfangen zu werden, der an die sorglose Kindheit erinnert, als der Schlaf sanft in die Augenlider schlich. Er möchte die Leiden und den Prunk der Welt vergessen und sein Herz von ihrem Glanz trennen. Der Sprecher erkennt, dass alles, was die Menge blind umwirbt, eitel Torheit ist. Der laute Lärm und das rastlose Treiben draußen erscheinen ihm als sinnloses Gewoge. Er wünscht sich, dass eine magische Decke sanft um seine Seele gelegt wird, damit sein Herz in seliger Feier ganz in sich selbst versinken kann. Er möchte in Träumen über das Nachdenken, was er einst ersehnt und gehofft hat, und über das, was oft in Schaum zerfloß, bevor es geboren wurde. Der Sprecher bittet darum, dass ihm die Brust nicht beengt wird. Er möchte, dass die Winde der kommenden Tage ahnend an seine Brust stoßen und sie antreiben. Er glaubt daran, dass das, was noch nicht war, noch geschehen kann. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Hoffnung und der Möglichkeit, dass sich Träume und Sehnsüchte in der Zukunft erfüllen können.

Schlüsselwörter

laß einst ganz herz thorheit thaue himmel nieder

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Stilmittel

Alliteration
Laß sie mich vergessen ganz
Hyperbel
Was nicht war, kann noch geschehn
Metapher
Laß der künft′gen Tage Wehn
Personifikation
Was die Menge blind umschwärmt