Nachtfalter
1867Nachtfalter kommen verloren Wie Gedanken aus dem Dunkel geboren, Sie müssen dem Tag aus dem Wege gehen Und kommen zum Fenster um hellzusehen. Und in die Nachstille versunken, Flattern sie zuckend und trunken, Sie haben nie Sonne, nie Honig genossen, Die Blumen alle sind ihnen verschlossen. Nur wo bei Lampen die Sehnsucht wacht, Verliebte sich grämen in schlafloser Nacht Da stürzen sie in das Licht, sich zu wärmen, Das Licht, das Tränen bescheint und Härmen: Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen, Sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen.
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Interpretation
Das Gedicht "Nachtfalter" von Max Dauthendey beschreibt das tragische Schicksal der Nachtfalter, die ihr Leben im Dunkeln verbringen und nach Licht suchen. Die Nachtfalter werden als verloren und aus dem Dunkel geboren dargestellt, was ihre Existenz als Schattenwesen symbolisiert. Sie müssen dem Tag aus dem Weg gehen und kommen zum Fenster, um das Licht zu sehen, das ihnen sonst verwehrt bleibt. Die Nachtfalter werden als zuckend und trunken in die nächtliche Stille versunken beschrieben. Sie haben nie die Sonne oder den Honig genossen, und die Blumen sind ihnen verschlossen. Dies verdeutlicht ihre Isolation von der natürlichen Welt und ihre Abhängigkeit vom künstlichen Licht der Lampen. Die Nachtfalter sehnen sich nach Wärme und Geborgenheit, die ihnen das Licht zu bieten scheint. Das Gedicht endet mit einer tragischen Wendung. Die Nachtfalter stürzen sich in das Licht der Lampen, um sich zu wärmen. Das Licht, das Tränen und Kummer erhellt, wird zum Symbol ihrer Sehnsucht. Die Falter der Nacht, die die Sonne nie kennen, müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen. Dies verdeutlicht die Selbstzerstörung der Nachtfalter, die von ihrer Sehnsucht nach Licht und Wärme getrieben werden, aber letztendlich in ihrem Streben nach Erfüllung zugrunde gehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Sie haben nie Sonne, nie Honig genossen, Die Blumen alle sind ihnen verschlossen
- Metapher
- Sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen
- Personifikation
- Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen
- Symbolik
- Nur wo bei Lampen die Sehnsucht wacht