Nacht

Margarete Beutler

1912

Wieder leb’ ich eine jener Nächte, wo die Seele lachend Stern an Stern in die Ewigkeiten tropfen möchte, und mein Leib fühlt seine Schwere kaum…

Und in dieser Nacht - denn du bist fern - muss ich in gestaltendunklen, feuchten Waldesgründen wie in Rausch und Traum meine ganze Seligkeit zerleuchten

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Illustration zu Nacht

Interpretation

Das Gedicht "Nacht" von Margarete Beutler beschreibt eine nächtliche Erfahrung, die von tiefer Sehnsucht und emotionaler Intensität geprägt ist. Die Nacht wird als ein Raum der Selbstauflösung und der Verbindung mit dem Unendlichen dargestellt, in dem die Seele danach strebt, sich mit den Sternen zu vereinen und in die Ewigkeit zu fließen. Die erste Strophe setzt eine Stimmung der Leichtigkeit und des Schwebens, in der der Körper fast seine Schwere verliert und die Seele in einem Zustand der Freude und des Ausnahmezustands schwebt. Dieses Gefühl wird durch den Wunsch verstärkt, sich in die Weite des Universums aufzulösen, was eine tiefe spirituelle Erfahrung symbolisiert. Die zweite Strophe führt die Einsamkeit ein, die durch die Abwesenheit eines geliebten Menschen entsteht. Diese Einsamkeit wird nicht als Schmerz, sondern als ein Zustand dargestellt, der die Seele in einen traumähnlichen Rausch versetzt. Die "gestaltendunklen, feuchten Waldesgründe" schaffen eine Atmosphäre der Intimität und des Geheimnisvollen, in der die eigene Seligkeit als etwas Vergängliches und Zerstreuendes erlebt wird. Das Gedicht endet mit dem Bild des "Zerleuchtens" der Seligkeit, was sowohl als Verlust als auch als Befreiung interpretiert werden kann. Es deutet auf einen Prozess der Transformation hin, in dem die individuelle Identität aufgelöst wird und sich in der Weite der Nacht und der Natur auflöst.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
gestaltendunklen, feuchten Waldesgründen
Hyperbel
meine ganze Seligkeit zerleuchten
Kontrast
mein Leib fühlt seine Schwere kaum
Metapher
Stern an Stern in die Ewigkeiten tropfen möchte
Personifikation
Seele lachend