Nacht
1866Hinterm fernsten Saume sinkt das Licht, Sinkt der Sonne flammendes Gericht, Sinkt, versinkt, als wär’ es fürder nicht.
Und die Erde streift erlösungstrunken Aus den Locken sich die letzten Funken, Dehnt erschauernd die befreiten Glieder, Fühlt ihr eignes tiefes Dunkel wieder.
Und mit mütterlichem Lustverlangen Raunt und lockt sie: Könnt ihr länger bangen? Seht, erloschen ist der fremde Schein! Unsre strenge Herrin ist gegangen - Kinder, kommt! nun laßt uns fröhlich sein!
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Interpretation
Das Gedicht "Nacht" von Hanns von Gumppenberg beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht und die damit verbundenen Veränderungen in der Natur und im menschlichen Gemüt. Es beginnt mit dem Verschwinden des Sonnenlichts, das als "flammendes Gericht" bezeichnet wird und am fernsten Saum untergeht. Die Erde befreit sich von den letzten Funken des Tageslichts und dehnt sich in der Dunkelheit aus. Die Nacht wird als erlösend und befreiend dargestellt. Die Erde, personifiziert als eine Mutter, ruft ihre Kinder dazu auf, die Furcht vor dem Tag und seiner strengen Herrin abzulegen und sich der Freude der Nacht hinzugeben. Die Dunkelheit wird als natürlicher Zustand und als Zuflucht vor dem harten Licht des Tages empfunden. Das Gedicht vermittelt eine positive und einladende Stimmung gegenüber der Nacht. Es suggeriert, dass die Nacht eine Zeit der Entspannung, des Zusammenkommens und des Glücks ist, im Gegensatz zum Tag, der als streng und fremd empfunden wird. Die Nacht wird als eine Art Zuflucht und als ein Ort des Trostes und der Gemeinschaft dargestellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Aus den Locken sich die letzten Funken
- Metapher
- Unsre strenge Herrin ist gegangen
- Personifikation
- Und die Erde streift erlösungstrunken