Nacht=Klage über den überverhofften betroffenen Abscheid ihrer lieben Freunde
1637Das große Liecht der Welt entzeücht sich nun der Erden / und eylet fort ins Meer / mit seinen müden Pferden; man hängt die Fenster zu / weil Morpheus komt heran / eß sehnt sich nach dem Schlaff / was Odem blasen kan; Man sieht der Sternen Heer mit ihrem Golde prangen; Auch Luna zeiget uns das Silber ihrer Wangen die Schaffe gehn zu Stall / der Schäffer geht zur Ruh; eß regt sich niemand mehr / die Blumen tuhn sich zu; Die Welt ist schon zu Bett / umringt mit vielen Träumen / Ich aber nur allein / ich geh hier bey den Bäumen / da weit und breit herum / der Tau / das Kind der Nacht / sampt meiner Zehren=qvell die Gräser feüchter macht. Hier lass ich mein Gedicht / mein Traurgedicht erklingen / und hebe niedrig an / auff Deutsch also zu singen.
Mars / O Mars / bistu der Mann / denn das ganze diser Erden / Jezt muß pflicht= und dienstbar werden/ der uns Seuffzen lehren kan? Ich gedacht / Ich wolt alhier / bey den liebsten Freunden bleiben / und mit ihn′n die Zeit vertreiben / wer gedachte da an dihr? In dem triffstu unsre Stadt / daß der werten Freunde hauffen mehrstes teils davon gelauffen / O der zweymahl grimmen Taht! Ich weiß nicht / wie mir geschehn / Ey / wo sind doch meine Lieben? Wo ist der und der geblieben? Läst sich hier denn niemand sehn? Auff den Gassen ist Geschrey: Cloris sizt schon auff dem Wagen / Galathee lest mir sagen / daß sie schon von hinnen sey. Hie läufft der / und hohlt den Paß / Jener geht das Schiff zu frachten / Seumsahl wil man ganz verachten / hie hilfft keiner Augen naß. Ich bin nicht mehr / die ich bin / wündsch Euch andern Glük zum Reisen / wolt euch selbst den Weg zwar weisen / doch man lest mich nicht dahin. O diß hat der Krieg gemacht! Phebus steiget auff und nieder / Galathe kombt schwerlich wieder / gibt sie einmahl guhte Nacht. Gerne schryb ich weiter fort / doch die Faust wil mir erkalten / und kan kaum die Feder halten / guhte Nacht du liebster Ort.
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Interpretation
Das Gedicht "Nacht=Klage über den überverhofften betroffenen Abscheid ihrer lieben Freunde" von Sibylla Schwarz handelt von der tiefen Trauer und dem Schmerz der Dichterin über den Abschied ihrer liebsten Freunde. In der Nacht, in der die Welt zur Ruhe gekommen ist und von Träumen umgeben wird, bleibt die Dichterin allein zurück und lässt ihr trauriges Gedicht erklingen. Sie beklagt den unerwarteten Verlust ihrer Freunde und fragt sich, wo sie geblieben sind. Die Stadt ist voller Geschrei und Hektik, da die Freunde aufbrechen und sich von ihr trennen. Die Dichterin fühlt sich verlassen und hilflos, während der Krieg die Ursache für diese schmerzhafte Trennung ist. Sie wünscht ihren Freunden Glück auf ihrer Reise, kann ihnen jedoch nicht folgen. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf eine gute Nacht, die jedoch schwer zu finden sein wird, da die Freunde vielleicht nicht zurückkehren werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrede
- O Mars / bistu der Mann
- Metapher
- die Faust wil mir erkalten
- Personifikation
- weil Morpheus komt heran