Nachruf
1788Du liebe, treue Laute, Wie manche Sommernacht, Bis daß der Morgen graute, Hab′ ich mit dir durchwacht!
Die Täler, wieder nachten, Schon sinkt das Abendrot, Doch die sonst mit uns wachten, Die liegen lange tot.
Was wollen wir nun singen Hier in der Einsamkeit, Wenn alle von uns gingen, Die unser Lied erfreut′?
Wir wollen dennoch singen! So still ist′s auf der Welt; Wer weiß, die Lieder dringen Vielleicht zum Sternezelt.
Wer weiß, die da gestorben, Sie hören droben mich Und öffnen leis′ die Pforten Und nehmen uns zu sich.
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Interpretation
Das Gedicht "Nachruf" von Joseph von Eichendorff thematisiert die Vergänglichkeit und den Abschied von geliebten Menschen. Der Sprecher erinnert sich an gemeinsame Nächte, die er mit einer vertrauten Laute verbracht hat, und reflektiert über die Tatsache, dass viele seiner Begleiter inzwischen gestorben sind. Die Abwesenheit dieser Menschen wirft die Frage auf, welchen Sinn es hat, weiterhin zu singen und zu musizieren, wenn diejenigen, die einst Freude an den Liedern hatten, nicht mehr da sind. Trotz der Einsamkeit und des Verlustes entscheidet sich der Sprecher, weiterhin zu singen. Er glaubt daran, dass die Lieder vielleicht bis zu den Sternen dringen und von den Verstorbenen gehört werden können. Diese Hoffnung auf eine Verbindung jenseits des Todes verleiht dem Singen einen tieferen Sinn und eine spirituelle Dimension. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass die Verstorbenen die Lieder hören und die Pforten zum Himmel öffnen, um den Sänger aufzunehmen. Diese Idee vermittelt eine tröstliche Botschaft: Auch im Angesicht des Todes und der Einsamkeit bleibt die Möglichkeit einer Verbindung und einer gemeinsamen Existenz in einer höheren Sphäre.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Du liebe, treue Laute
- Kontrast
- Die Lieder dringen Vielleicht zum Sternezelt
- Metapher
- Die Laute als treuer Begleiter
- Personifikation
- Die Täler, wieder nachten
- Symbolik
- Die Laute als Symbol für Musik und Gemeinschaft