Nach schwerem Traum
1917Ich bin Soldat und steh im Feld Und weiß von niemand in der Welt. Drum kann ich diesen Regentag nicht feiern, So kummerzärtlich, feucht und bleiern, Da mir dein Bild zur Nacht den Schlaf zerschlug Und mich in deine Nähe trug.
Ich bin Soldat und steh im Feld, Gewehr im Arm, und fern der Welt. Wär ich zu Haus, ich schlösse Tür und Scheiben Und wollte lange einsam bleiben; Im Sofawinkel sitzend mich versenken, Geschlossnen Auges deiner denken.
Ich bin Soldat im trüben Feld. Hier endet alte Menschenwelt. Der Regen singt, die nassen Strähnen fließen. Ich kann nichts tun – nur Blei verschießen. Weiß nicht warum, tu′s doch als ob ich′s muß: Ins graue Wetter kracht ein Schuß!
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Interpretation
Das Gedicht "Nach schwerem Traum" von Gerrit Engelke thematisiert die Isolation und die innere Zerrissenheit eines Soldaten, der sich von der Welt entfremdet fühlt. Die wiederholte Zeile "Ich bin Soldat und steh im Feld" unterstreicht die Identität des Sprechers als Soldat, der in einer fremden, feindlichen Umgebung steht. Der Soldat ist von niemandem in der Welt bekannt, was seine Einsamkeit und Abgeschiedenheit betont. Der schwere Traum, der den Schlaf zerschlug, deutet auf eine tiefe emotionale Belastung hin, möglicherweise durch Erinnerungen an die Heimat oder an eine geliebte Person. Die zweite Strophe kontrastiert das Leben im Feld mit dem Wunsch, zu Hause in Sicherheit zu sein. Der Soldat sehnt sich danach, die Tür und die Fenster zu schließen und lange in Einsamkeit zu verweilen. Dieses Verlangen nach Rückzug und innerer Einkehr steht im Gegensatz zu seiner aktuellen Situation, in der er gezwungen ist, im Feld zu stehen und sich den Widrigkeiten des Krieges zu stellen. Die Vorstellung, sich im Sofawinkel zu versenken und die Augen zu schließen, um an die geliebte Person zu denken, verdeutlicht den starken Wunsch nach Geborgenheit und emotionaler Nähe. Die dritte Strophe beschreibt die Zerstörung der alten Welt und die Sinnlosigkeit des Krieges. Der Regen und die nassen Strähnen symbolisieren die Tristesse und die Hoffnungslosigkeit der Situation. Der Soldat fühlt sich machtlos und unfähig, etwas zu tun, außer Blei zu verschießen. Der letzte Schuss in das graue Wetter symbolisiert die Frustration und die Verzweiflung des Soldaten, der nicht weiß, warum er kämpft, aber gezwungen ist, weiterzumachen. Das Gedicht vermittelt eindringlich die emotionale Zerrissenheit und die existenzielle Krise eines Soldaten im Krieg.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ich bin Soldat und steh im Feld
- Hyperbel
- Da mir dein Bild zur Nacht den Schlaf zerschlug
- Kontrast
- Wär ich zu Haus, ich schlösse Tür und Scheiben / Und wollte lange einsam bleiben
- Metapher
- Hier endet alte Menschenwelt
- Personifikation
- Der Regen singt