Nach Reisegesprächen

Theodor Storm

1817

Vorwärts lieber laß uns schreiten Durch die deutschen Nebelschichten, Als auf alten Träumen reiten Und auf römischen Berichten! Denn mir ist, als säh ich endlich Unter uns ein Bild entfalten; Dunkel erst, doch bald verständlich Sich erheben die Gestalten; Hauf an Haufen im Getümmel, Nun zerrissen, nun zusammen; An dem grauverhangnen Himmel Zuckt es wie von tausend Flammen. Hört ihr, wie die Büchsen knallen? Wutgeschrei durchfegt die Lüfte; Und die weißen Nebel wallen, Und die Brüder stehn und fallen - Hoher Tag und tiefe Grüfte!

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Nach Reisegesprächen

Interpretation

Das Gedicht "Nach Reisegesprächen" von Theodor Storm beschreibt den Übergang von einer nostalgischen Betrachtung der Vergangenheit hin zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Der Sprecher fordert dazu auf, die "deutschen Nebelschichten" zu durchschreiten, anstatt sich auf "alten Träumen" und "römischen Berichten" auszuruhen. Dies deutet auf eine Abkehr von historischen Idealen und eine Hinwendung zu den aktuellen Realitäten und Herausforderungen hin. In der zweiten Strophe entsteht ein Bild, das sich zunächst dunkel und unklar darstellt, aber allmählich verständlich wird. Die "Gestalten", die sich erheben, symbolisieren möglicherweise die Menschen oder Ereignisse der Gegenwart, die sich aus dem Nebel der Vergangenheit herausschälen. Die chaotische Szene, in der sich Haufen im "Getümmel" zerreißen und wieder zusammenfinden, könnte auf die Unruhen und Konflikte der Zeit anspielen, die durch das Bild der "tausend Flammen" am Himmel verstärkt werden. Die letzte Strophe bringt die Spannung und die Brutalität der gegenwärtigen Ereignisse zum Ausdruck. Das Knallen der Büchsen und das "Wutgeschrei" durch die Lüfte deuten auf einen bewaffneten Konflikt hin, möglicherweise die Revolutionen des 19. Jahrhunderts. Die "weißen Nebel", die wallen, und die Brüder, die stehen und fallen, unterstreichen die Tragik und den Verlust, der mit solchen Kämpfen einhergeht. Der Kontrast zwischen "hohem Tag" und "tiefen Grüften" fasst die Extreme von Triumph und Tragödie zusammen, die in solchen historischen Momenten erlebt werden.

Schlüsselwörter

vorwärts lieber laß schreiten deutschen nebelschichten alten träumen

Wortwolke

Wortwolke zu Nach Reisegesprächen

Stilmittel

Alliteration
Hoher Tag und tiefe Grüfte
Anapher
Und die Brüder stehn und fallen
Metapher
Hoher Tag und tiefe Grüfte
Personifikation
Wutgeschrei durchfegt die Lüfte
Vergleich
Zuckt es wie von tausend Flammen