Nach Heine
1815Woher das Unglück stamme, Das stets bei mir sich hält? Es trat am gleichen Tage Mit mir einst in die Welt.
Als Kind in meiner Wiege, Da ruht′ ich nicht allein, Es schlief an jedem Abend Mein Unglück mit mir ein.
Und weckte mich am Morgen Der Sonne Strahlenlauf, So wachte auch das Unglück Mit mir gleich wieder auf.
Und als ich größer wurde, Da wuchs mein Unglück mit, Es folgte mir beständig, Getreu bei jedem Schritt.
So ist es denn geblieben Stets bei dem alten Brauch, Denn wo ich nur erscheine, Da ist mein Unglück auch.
Nur hat es jetzt am Tage Nicht einmal immer Raum, Es schleicht sich gar zu häufig Auch noch in meinen Traum.
Ich trag′ es stets im Innern, Trotz all dem äußern Scherz, Ganz groß ist es geworden Und bricht mir nun das Herz.
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Interpretation
Das Gedicht "Nach Heine" von Auguste Kurs thematisiert die unentrinnbare und lebenslange Begleitung durch das Unglück. Bereits in der Kindheit ist das Unglück präsent, es schläft mit dem lyrischen Ich ein und erwacht mit ihm. Diese enge Verbindung setzt sich im Erwachsenenalter fort, wobei das Unglück mit dem lyrischen Ich wächst und ihm stets folgt. Die ständige Präsenz des Unglücks wird als Last empfunden, die das Leben des lyrischen Ichs durchdringt und sogar in die Träume eindringt. Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was die Intensität der emotionalen Erfahrung unterstreicht. Die Wiederholung des Wortes "Unglück" und die Metapher des Wachstums verdeutlichen die zunehmende Schwere und die allgegenwärtige Natur des Leids. Die Struktur des Gedichts, mit seinen regelmäßigen Strophen und dem Reimschema, verleiht der Beschreibung eine rhythmische und fast unentrinnbare Qualität, die die Erfahrung des lyrischen Ichs widerspiegelt. Abschließend wird das Unglück als etwas dargestellt, das das Herz des lyrischen Ichs bricht. Trotz äußerem Humor und Schein bleibt das innere Leid dominant und zerstörerisch. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Resignation und die Erkenntnis, dass das Unglück ein unausweichlicher Teil des Lebens des lyrischen Ichs ist, der dessen Existenz prägt und letztendlich überwältigt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Personifikation
- Ich trag′ es stets im Innern, Trotz all dem äußern Scherz, Ganz groß ist es geworden Und bricht mir nun das Herz.