Nach der Schlacht an der englischen Front
Die Totengräber haben schon
Die Schaufeln angesetzt, da naht sich holpernd ein Viererzug,
Und ihm entsteigen stolpernd die Reisenden der Firma Cook
And Son.
Eifrig und ernst begibt man sich ans Sammeln
Leerer Patronenhülsen oder -taschen.
Indem die steifen Missis Kognakbohnen naschen,
Hört man Verwundete nach Wasser stammeln.
Ein toter Belgier… Man hätte beinah was verpaßt…
Ein Fußballspieler schätzt den grünen Rasen.
Ein leiser Knall… Trompetenblasen…
Und ein ergrauter Lord erblaßt.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Nach der Schlacht an der englischen Front“ von Klabund präsentiert eine zynische und makabre Szene, die die Nachwirkungen des Krieges aus einer ungewöhnlichen Perspektive beleuchtet. Der Kontrast zwischen dem Tod und der trivialen Routine der Touristen, die die Schlachtfelder besichtigen, erzeugt eine tiefe Verstörung. Die ersten Zeilen etablieren direkt die Präsenz der Toten und derer, die sich um sie kümmern, aber die folgende Erwähnung der Touristen von Cook and Son bricht abrupt mit der Erwartung einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Krieg.
Das Gedicht nutzt eine Reihe von Bildern, um die Absurdität der Situation zu verstärken. Die Touristen, „eifrig und ernst“, sammeln Souvenirs, während die Verwundeten nach Wasser stammeln und ein toter Belgier ignoriert wird. Die „steifen Missis“, die Kognakbohnen naschen, stehen in krassem Gegensatz zur Tragödie um sie herum. Klabund verwendet diese Gegenüberstellung, um die Entmenschlichung und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid, die durch den Krieg verursacht wurden, zu kritisieren. Der Bezug auf einen Fußballspieler und den „grünen Rasen“ setzt die grausamen Geschehnisse zusätzlich in einen zynischen Kontext, indem er das Leben vor dem Krieg und seine Unbeschwertheit kurz aufscheinen lässt.
Die letzten Zeilen des Gedichts spitzen die Kritik noch weiter zu. Ein „leiser Knall… Trompetenblasen…“ deutet auf ein weiteres Todesereignis hin, vermutlich den Tod eines Kriegsopfers, und der „ergraute Lord“, der erblasst, könnte stellvertretend für das Ende des Lebens selbst stehen, für das Sterben im Angesicht von Krieg. Diese Bilder machen deutlich, dass der Krieg nicht nur physische Zerstörung und Leid mit sich bringt, sondern auch die Werte und das Mitgefühl der Gesellschaft untergräbt. Das Gedicht endet mit einer Atmosphäre der Melancholie und der Hoffnungslosigkeit.
Insgesamt ist „Nach der Schlacht an der englischen Front“ eine beißende Satire, die die banale Art und Weise, wie die Zerstörung des Krieges betrachtet und erlebt wird, entlarvt. Klabund nutzt Ironie, Kontraste und eine lakonische Sprache, um die menschliche Reaktion auf Krieg und Tod zu hinterfragen und das Publikum zu zwingen, über die Verharmlosung von Tragödien nachzudenken. Es ist eine Kritik an der Zynik der Gesellschaft und an der Art und Weise, wie der Krieg die Menschlichkeit aushöhlt.
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Lizenz und Verwendung
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