Nach der ersten Bergfahrt
1892Liebes Kind, du bist gemagert, bist verbrannt von Mittagssonnen Deine Wangen blühen frischer, wuschest dich an kühlen Bronnen Wie du schreitest, schlank und kräftig, über deines Gärtchens Stufen! Deine Stimme wurde voller, die das Echo wachgerufen, In dem klaren Herdgeläute wurde deine Stimme heller Deine wegeskundgen Blicke kreisen rascher, streifen schneller, Deine Lippen wurden stiller, edler wurde deine Stirne Und dein Auge, grossgeöffnet, es betrachtet noch die Firne.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Nach der ersten Bergfahrt" von Conrad Ferdinand Meyer schildert die Veränderungen, die ein Kind nach seiner ersten Bergwanderung erfahren hat. Das Kind ist magerer und sonnengebräunt, doch seine Wangen blühen frischer. Es wirkt kräftiger und seine Stimme ist voller geworden. Die Bergfahrt hat das Kind offenbar körperlich und geistig gereift. Die Beobachtungen des lyrischen Ichs zeigen, dass die Bergtour das Kind nachhaltig geprägt hat. Es schreitet nun schlank und kräftig, seine Blicke sind wegekundig und rasch, seine Lippen stiller und seine Stirn edler. Vor allem aber ist sein Auge groß und offen, noch immer gefangen von dem fernen Ausblick, den es in den Bergen gewonnen hat. Die Bergfahrt hat dem Kind neue Perspektiven eröffnet und seinen Horizont erweitert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- wuschest dich an kühlen Bronnen
- Hyperbel
- Deine Lippen wurden stiller, edler wurde deine Stirne
- Metapher
- Deine Wangen blühen frischer
- Personifikation
- die das Echo wachgerufen
- Symbolik
- Nach der ersten Bergfahrt