Nach der 15. Ode Anakreons

Gotthold Ephraim Lessing

1771

Was frag′ ich nach dem Großsultan, Und Mahomets Gesetzen? Was geht der Perser Schach mich an, Mit allen seinen Schätzen?

Was sorg′ ich ihrer Kriegesart, Und ihrer Treffen halben? Kann ich nur meinen lieben Bart Mit Spezereien salben.

Kann ich nur mein gesalbtes Haupt Mit Rosen stolz umschließen, Und, wenn mir sie ein Mädchen raubt, Das Mädchen strafend küssen.

Ein Tor sorgt für die künft′ge Zeit. Für heute will ich sorgen. Wer kennt, mit weiser Gründlichkeit, Den Ungewissen Morgen?

Was soll ich hier, so lang′ ich bin, Mich um die Zukunft kränken? Ich will mit kummerlosem Sinn Auf Wein und Liebe denken.

Denn plötzlich steht er da, und spricht, Der grimme Tod: »Von dannen! Du trinkst, du küssest länger nicht! Trink′ aus! küß′ aus! Von dannen!«

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Nach der 15. Ode Anakreons

Interpretation

Das Gedicht "Nach der 15. Ode Anakreons" von Gotthold Ephraim Lessing handelt von der Lebensfreude und dem Genuss des Augenblicks. Der Sprecher stellt die Bedeutung von Macht und Reichtum in Frage, indem er sich nicht für den Großsultan und seine Schätze interessiert. Stattdessen konzentriert er sich auf die kleinen Freuden des Lebens, wie das Salben seines Bartes mit Spezereien und das Schmücken seines Hauptes mit Rosen. Im zweiten Teil des Gedichts betont der Sprecher die Vergänglichkeit des Lebens und die Ungewissheit der Zukunft. Er lehnt es ab, sich um die künftige Zeit zu sorgen und entscheidet sich stattdessen dafür, im Hier und Jetzt zu leben. Der Sprecher möchte sich auf die Freuden des Weins und der Liebe konzentrieren, ohne sich von Sorgen belasten zu lassen. Der letzte Teil des Gedichts bringt eine düstere Note ein, als der Sprecher den Tod als eine unausweichliche Realität anerkennt. Der Tod wird als eine strenge und unerbittliche Figur dargestellt, die den Sprecher auffordert, das Leben in vollen Zügen zu genießen, solange er noch kann. Das Gedicht endet mit einer Aufforderung, das Leben in vollen Zügen zu genießen, solange es noch möglich ist, bevor der Tod kommt und alle Freuden beendet.

Schlüsselwörter

kann mädchen will dannen frag großsultan mahomets gesetzen

Wortwolke

Wortwolke zu Nach der 15. Ode Anakreons

Stilmittel

Alliteration
Mit Spezereien salben
Anapher
Was frag' ich nach dem Großsultan, / Und Mahomets Gesetzen? / Was geht der Perser Schach mich an, / Mit allen seinen Schätzen?
Hyperbel
Mit allen seinen Schätzen
Kontrast
Ein Tor sorgt für die künft'ge Zeit. / Für heute will ich sorgen.
Metapher
Der grimme Tod
Parallelismus
Ich will mit kummerlosem Sinn / Auf Wein und Liebe denken.
Personifikation
Der grimme Tod: 'Von dannen!'
Rhetorische Frage
Was frag' ich nach dem Großsultan, / Und Mahomets Gesetzen?
Wiederholung
Trink' aus! küß' aus! Von dannen!