Es ist bestimmt in Gottes Rat,
Daß man, was man am liebsten hat,
Muß meiden;
Wiewohl nichts in dem Lauf der Welt
Dem Herzen ach! so sauer fällt,
Als Scheiden, ja Scheiden!
So dir geschenkt ein Knösplein was,
So tu′ es in ein Wasserglas;
Doch wisse: Blüht morgen dir ein Röslein auf,
Es welkt wohl noch die Nacht darauf;
Das wisse, ja wisse!
Und hat dir Gott ein Lieb beschert,
Und hältst du sie recht innig wert,
Die Deine, –
Es werden wohl acht Bretter sein,
Da legst du sie wie bald! hinein;
Dann weine, ja weine!
Nur mußt du mich auch recht verstehn,
Ja recht verstehn!
Wenn Menschen auseinander gehn,
So sagen sie: auf Wiedersehn!
Ja Wiedersehn!
Nach altdeutscher Weise
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Nach altdeutscher Weise“ von Ernst von Feuchtersleben ist eine melancholische Betrachtung über die Vergänglichkeit und das Schicksal, das uns immer wieder von den Dingen trennt, die wir am meisten lieben. Der Autor greift hierbei auf eine traditionelle, volksliedhafte Form zurück, die durch Reimschema und Sprachduktus das Gefühl von Schmerz und Abschied verstärkt. Der Titel selbst deutet auf eine tief verwurzelte Tradition des Leidens und der Akzeptanz des Unvermeidlichen hin.
Das Gedicht beginnt mit einer Feststellung, die das Grundmotiv des Werkes etabliert: „Es ist bestimmt in Gottes Rat, / Daß man, was man am liebsten hat, / Muß meiden“. Diese Zeilen, die im Duktus eines religiösen Vertrauens formuliert sind, suggerieren, dass das Trennen von den geliebten Dingen eine göttliche Anordnung ist. Die folgenden Strophen illustrieren dieses Prinzip anhand von konkreten Beispielen: eine Knospe, die in einem Wasserglas nur kurz blüht, ein Rosenstrauß, der schnell verblüht, und die Liebe, die letztlich durch den Tod beendet wird. Diese Beispiele verdeutlichen die Kurzlebigkeit und Fragilität des Glücks und der irdischen Freuden.
Der zentrale Konflikt des Gedichts liegt in der Diskrepanz zwischen dem menschlichen Verlangen nach ewiger Liebe und dem Faktum der Vergänglichkeit. Die Zeilen „Wiewohl nichts in dem Lauf der Welt / Dem Herzen ach! so sauer fällt, / Als Scheiden, ja Scheiden!“ drücken den tiefen Schmerz über das Abschiednehmen aus. Der Autor verwendet hier einfache, direkte Sprache, um die Emotionalität des Themas zu unterstreichen. Das wiederholte „ja“ am Ende der Verse verstärkt die Nachdrücklichkeit und unterstreicht die Ohnmacht des Menschen gegenüber dem Schicksal. Die Worte „weine, ja weine!“ am Ende der zweiten Strophe sind ein direkter Aufruf an die Trauer.
Das Gedicht endet mit einer zynischen Pointe. Der scheinbar tröstliche Gruß „auf Wiedersehn“ wird als leere Floskel entlarvt, die die eigentliche Wahrheit verschleiert. Menschen trennen sich im Leben, und die Hoffnung auf ein Wiedersehen kann nur eine Illusion sein. Die eigentliche Begegnung, so wird angedeutet, findet erst nach dem Tod statt, im Reich der Ewigkeit. So vereint Feuchtersleben in diesem Gedicht die Themen Liebe, Verlust und das Verständnis des Todes und schafft ein tiefgründiges und melancholisches Werk, das die Leser zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens anregt.
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Lizenz und Verwendung
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