Nach altdeutscher Weise

Ernst von Feuchtersleben

1836

Es ist bestimmt in Gottes Rat, Daß man, was man am liebsten hat, Muß meiden; Wiewohl nichts in dem Lauf der Welt Dem Herzen ach! so sauer fällt, Als Scheiden, ja Scheiden! So dir geschenkt ein Knösplein was, So tu′ es in ein Wasserglas; Doch wisse: Blüht morgen dir ein Röslein auf, Es welkt wohl noch die Nacht darauf; Das wisse, ja wisse! Und hat dir Gott ein Lieb beschert, Und hältst du sie recht innig wert, Die Deine, - Es werden wohl acht Bretter sein, Da legst du sie wie bald! hinein; Dann weine, ja weine! Nur mußt du mich auch recht verstehn, Ja recht verstehn! Wenn Menschen auseinander gehn, So sagen sie: auf Wiedersehn! Ja Wiedersehn!

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Illustration zu Nach altdeutscher Weise

Interpretation

Das Gedicht "Nach altdeutscher Weise" von Ernst von Feuchtersleben thematisiert die Vergänglichkeit und das Leid, das mit dem Verlust von geliebten Dingen und Menschen einhergeht. Es betont, dass es in Gottes Plan liegt, dass man das, was man am meisten liebt, meiden muss, obwohl es dem Herzen schwerfällt, sich von diesen Dingen zu trennen. Die Wiederholung des Wortes "Scheiden" unterstreicht die Schwere dieses Prozesses. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Vergänglichkeit von Schönheit und Liebe verdeutlicht. Ein Knösplein, das in ein Wasserglas gesteckt wird, symbolisiert die Kürze des Lebens und die Unvermeidlichkeit des Verfalls. Auch ein Röslein, das aufblüht, wird am nächsten Tag bereits welken. Die Metapher des Liebchens, das in acht Bretter gelegt wird, deutet auf den Tod und die Endgültigkeit des Abschieds hin. Der wiederholte Aufruf zum Weinen unterstreicht die Trauer und den Schmerz, der mit dem Verlust einhergeht. Im letzten Teil des Gedichts wird jedoch eine hoffnungsvolle Note angeschlagen. Der Dichter bittet darum, richtig verstanden zu werden und betont, dass Menschen, die sich voneinander trennen, sich auf ein Wiedersehen freuen können. Dies deutet darauf hin, dass trotz des Leids und der Vergänglichkeit des Lebens die Hoffnung auf ein Wiedersehen und eine ewige Liebe besteht. Das Gedicht endet mit einem optimistischen Ausblick auf die Möglichkeit eines Wiedersehens, das die Trauer und den Schmerz des Abschieds überwindet.

Schlüsselwörter

wisse recht scheiden weine verstehn wiedersehn bestimmt gottes

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Daß man, was man am liebsten hat, Muß meiden; Wiewohl nichts in dem Lauf der Welt Dem Herzen ach! so sauer fällt, Als Scheiden, ja Scheiden!
Metapher
Und hat dir Gott ein Lieb beschert, Und hältst du sie recht innig wert, Die Deine, - Es werden wohl acht Bretter sein, Da legst du sie wie bald! hinein;
Personifikation
Wiewohl nichts in dem Lauf der Welt Dem Herzen ach! so sauer fällt,
Wiederholung
ja Scheiden! Das wisse, ja wisse! Dann weine, ja weine! Ja Wiedersehn!