Mutter
1911Ein weißer Stern singt ein Totenlied in der Julinacht. Wie Sterbegeläut in der Julinacht. Und auf dem Dach die Wolkenhand, die streifende feuchte Schattenhand sucht nach meiner Mutter.
Ich fühle mein nacktes Leben, es stößt sich ab vom Mutterland, so nackt war nie mein Leben, so in die Zeit gegeben, als ob ich abgeblüht hinter des Tages Ende zwischen weiten Nächten stände; alleine.
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Interpretation
Das Gedicht "Mutter" von Else Lasker-Schüler beschreibt eine tiefe Sehnsucht und Trauer um die eigene Mutter. Die Julinacht wird als düster und traurig dargestellt, ein "Totenlied" wird gesungen und es klingt wie "Sterbegeläut". Die "Wolkenhand" sucht nach der Mutter, was die Suche nach Geborgenheit und Schutz symbolisiert. Das lyrische Ich fühlt sich nackt und verletzlich, losgelöst vom "Mutterland". Es ist in die Zeit hineingeworfen, ohne Halt und Halt. Die Metapher vom Abblühen deutet auf ein Ende, einen Verlust hin. Das lyrische Ich steht "zwischen weiten Nächten", allein und verlassen. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Trauer und Einsamkeit. Die Mutter wird als Schutz und Geborgenheit vermisst. Das lyrische Ich fühlt sich schutzlos und ausgeliefert, wie ein abgeblühtes Blatt im Wind. Die weiten Nächte symbolisieren die Leere und Verlassenheit, die der Verlust der Mutter hinterlässt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- abgeblüht hinter des Tages Ende
- Personifikation
- die Wolkenhand, die streifende feuchte Schattenhand
- Vergleich
- Wie Sterbegeläut in der Julinacht