Musik nicht will ich machen
unknownMusik nicht will ich machen sondern schreiten Und zeigen meine Schritte. Musik nicht gibt das hart geballte Reiten Der Heere von Seelen, die streiten Um meine Mitte.
Und ist kein Boden mehr, kein Traum zu schreiten, So sollt ihr noch mein Stehn verspüren! Ich lass wie ein Gebirge mich nicht gleiten. So gut befreundet immer noch mit Möglichkeiten, - Kein Schicksal soll mir meine Stirn entführen.
Am scharfen Rande ausgesogner Weiten, Auf nichts als meinen zitternd spitzen Zehen, Erwachsen, sehend nur mein Sehen, Entstürzt dem ersten Garten und mit keiner zweiten Musik als meinem Warten -: spürt mich stehen.
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Interpretation
Das Gedicht "Musik nicht will ich machen" von Alfred Wolfenstein beschreibt die Ablehnung des lyrischen Ichs gegenüber einer harmonischen, gefügigen Existenz. Der Sprecher bevorzugt das "Schreiten" und das Zeigen seiner Schritte, was auf ein aktives, selbstbestimmtes Leben hindeutet. Die "Harte Ballung" des "Reitens der Heere von Seelen" symbolisiert den Kampf und die Anstrengung, die das Leben mit sich bringt. Der Sprecher positioniert sich in der Mitte dieses Kampfes und betont seine Rolle als zentraler Akteur. Die zweite Strophe verdeutlicht die Standhaftigkeit und Entschlossenheit des lyrischen Ichs. Selbst wenn es keinen Boden mehr zum Schreiten gibt und kein Traum mehr vorhanden ist, wird das Stehen des Sprechers noch zu spüren sein. Die Metapher des Gebirges, das sich nicht gleiten lässt, unterstreicht die Unbeirrbarkeit und Stärke des Ichs. Trotz der Freundschaft mit den Möglichkeiten bleibt das Schicksal machtlos, die Stirn des Sprechers zu entführen, was auf eine unerschütterliche Willenskraft hindeutet. Die letzte Strophe beschreibt den Übergang des lyrischen Ichs von einer geschützten, behüteten Existenz ("erster Garten") in eine unsichere, prekäre Lage ("scharfer Rande ausgesogner Weiten"). Das Stehen auf den "zitternd spitzen Zehen" symbolisiert die prekäre Balance und die Verletzlichkeit des Ichs in dieser neuen Situation. Das "Sehen nur mein Sehen" betont die subjektive Wahrnehmung und die Isolation des Sprechers. Die "Musik als meinem Warten" am Ende des Gedichts deutet auf eine neue Form der Existenz hin, die auf Geduld und Erwartung basiert, anstatt auf aktivem Handeln.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Auf nichts als meinen zitternd spitzen Zehen
- Hyperbel
- Ich lass wie ein Gebirge mich nicht gleiten
- Kontrast
- Am scharfen Rande ausgesogner Weiten
- Metapher
- Musik nicht will ich machen sondern schreiten
- Personifikation
- Der Heere von Seelen, die streiten
- Symbolik
- Entstürzt dem ersten Garten und mit keiner zweiten