Musik im Mirabell
1887Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn Im klaren Blau, die weißen, zarten. Bedächtig stille Menschen gehn Am Abend durch den alten Garten.
Der Ahnen Marmor ist ergraut. Ein Vogelzug streift in die Weiten. Ein Faun mit toten Augen schaut Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.
Das Laub fällt rot vom alten Baum Und kreist herein durchs offne Fenster. Ein Feuerschein glüht auf im Raum Und malet trübe Angstgespenster.
Ein weißer Fremdling tritt ins Haus. Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge. Die Magd löscht eine Lampe aus, Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.
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Interpretation
Das Gedicht "Musik im Mirabell" von Georg Trakl ist eine lyrische Beschreibung eines Abends im Mirabellgarten in Salzburg. Es beginnt mit einer idyllischen Szene, in der ein Brunnen singt und Menschen bedächtig durch den Garten gehen. Die Atmosphäre ist ruhig und friedlich, doch es gibt auch Anzeichen von Vergänglichkeit und Tod, wie der ergraute Marmor der Ahnen und der Vogelzug, der in die Weiten streift. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Stimmung düsterer. Ein Faun mit toten Augen schaut nach Schatten, die ins Dunkel gleiten. Das Laub fällt rot vom alten Baum und ein Feuerschein glüht im Raum, der trübe Angstgespenster malt. Diese Bilder deuten auf den nahenden Herbst und den Lauf der Zeit hin, der unweigerlich zum Tod führt. Im letzten Teil des Gedichts betritt ein weißer Fremdling das Haus und ein Hund stürzt durch verfallene Gänge. Die Magd löscht eine Lampe aus und in der Nacht hört man Sonatenklänge. Diese Bilder lassen auf eine unheimliche Atmosphäre schließen, in der sich das Unbekannte und das Unheimliche breitmachen. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Ungewissheit und des Unbehagens, das den Leser nachdenklich zurücklässt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bedächtig stille Menschen gehn
- Bildsprache
- Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.
- Metapher
- Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.
- Personifikation
- Die Magd löscht eine Lampe aus,
- Symbolik
- Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.