Muget ir schouwen...
1220Muget ir schouwen was dem meien wunders ist beschert? seht an pfaffen, seht an leien, wie daz allez vert. grôz ist sîn gewalt: ich enweiz obe er zouber künne: swar er vert in sîner wünne, dâ enist niemen alt.
Uns will schiere wol gelingen. wir suln sîn gemeit, tanzen lachen unde singen, âne dörperheit. wê wer wære unfrô? sît di vogele alsô schône singent in ir besten dône, tuon wir ouch alsô!
Wol dir , meie, wie dû scheidest allez âne haz! wie dû walt und ouwe kleidest, und die heide baz! diu hât varwe mê. “dû bist kurzer, ich bin langer”, alsô strîtents ûf dem anger, bluomen unde klê.
Rôter munt, wie dû dich swachest! lâ dîn lachen sîn. scham dich daz dû mich an lachest nâch dem schaden mîn. ist daz wol getân? owê sô verlorner stunde, sol von minneclîchem munde solch unminne ergân!
Daz mich, frouwe, an fröiden irret, daz ist iuwer lîp. an iu einer ez mir wirret, ungenædic wîp. wâ nemt ir den muot? ir sît doch genâden rîche: tuot ir mir ungnædeclîche, sô sît ir niht guot.
Scheidet, vrouwe, mich von sorgen, liebet mir die zît: oder ich muoz an vreuden borgen. daz ir sælic sît! muget ir umbe sehen? sich vreut al diu welt gemeine; möhte mir von iu ein kleine vreudelîn geschehen!
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Interpretation
Das Gedicht "Muget ir schouwen" von Walther von der Vogelweide ist ein Minnelied, das die Freude und Schönheit des Frühlings besingt. Der Sprecher beschreibt, wie der Mai wundersame Dinge bringt und alles in ein neues Gewand kleidet. Er preist die Kraft des Mai, die alles verändert und erneuert. Der Sprecher lädt ein, gemeinsam zu tanzen, zu lachen und zu singen, ohne Scham oder Zurückhaltung. Er ermutigt dazu, die Freude des Frühlings zu teilen und sich von den Vögeln inspirieren zu lassen, die in ihrer besten Weise singen. Der Sprecher betont, dass es keinen Grund gibt, unglücklich zu sein, da die Natur in ihrer vollen Pracht erblüht. Der Sprecher wendet sich dann an die Dame, die er liebt, und bittet sie, ihn von Sorgen zu befreien und die Zeit mit ihm zu genießen. Er drückt seine Sehnsucht nach ihrer Liebe und Zuneigung aus und hofft, dass auch er ein kleines Glück von ihr erfahren darf. Das Gedicht endet mit der Bitte, dass die Dame ihn von seiner Traurigkeit befreit und ihm die Freude schenkt, die er sich so sehr wünscht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- wol dir, meie, wie dû scheidest
- Metapher
- Scheidet, vrouwe, mich von sorgen
- Personifikation
- sich vreut al diu welt gemeine
- Vergleich
- ich muoz an vreuden borgen